

Helfen Sie uns, die Hölle abzuschaffen

Fröhliche
Behinderte bei der Eröffnung der Werkstatt
„Heute
war ich in der Hölle. 80 km weit weg von Pskow, abgetrennt von jeglicher
Zivilisation stehen vier graue Betonbauten, ein russisches Behindertenheim, wie
es sie überall in Russland gibt, Aufbewahrungsanstalten, in denen behinderte
Kinder gelagert werden, ohne Perspektive, ohne Möglichkeit auf Entwicklung,
ohne Individualität, ohne Freiheit. Mit meiner Chefin waren wir zum 40. Jubiläum
eingeladen. Auf nach Urin, Schweiß und Schimmel stinkenden Fluren krochen uns
Gestalten entgegen, alle kahlköpfig. Die Haare werden abrasiert, das ist
einfacher, alle mit großen, traurigen Augen. Diese Kinder wurden abgegeben,
fast keines hat Familie, niemand liebt sie, alle dürr. Das Essen reicht nicht.
Schließlich muss ja erst die Betreuerin satt werden.
In
zehner Zimmern liegen sie entweder auf ihren durchgelegenen Matratzen 24 Stunden
am Tag oder schleichen sich
kriechend über den Boden, angezogen oder auch nicht. Es gibt nicht genug
Kleidung. Mir ist schlecht. Ist das noch ein Menschenleben? Wie kann man das
verantworten? Auch behinderte Kinder sind doch Menschen. Warum sind sie aus der
Gesellschaft ausgestoßen? Nur weil sie nicht normal sind? Ist das ihre Schuld?
Werden sie deswegen hier bestraft, indem ihnen alles, was einen Menschen
ausmacht, verweigert wird?
Ich
habe Glück. Nach fünf schrecklichen, schockierenden Stunden kann ich die Hölle
wieder verlassen. Aber die Kinder?“
Deshalb
haben wir das Heilpädagogische Zentrum (HPZ) gebaut. Deshalb errichten wir die
Werkstatt für Behinderte, damit auch in Russland behinderte Menschen normal
leben können. Und es soll Schule machen in Russland, damit die Hölle
abgeschafft wird.
Die
Unterhaltung des HPZ kostet uns im Jahr 120.000 €.
Helfen
Sie mit, damit die Hölle überflüssig wird.
Ihre Spende, Ihre Mitgliedschaft (Jahresbeitrag 30
€) oder die Patenschaft zu einem Kind (225 € im Jahr) helfen uns zu helfen.
Unser
Konto:
KD
– Bank Duisburg
BLZ:
350 601 90
Konto
101 341 5010

Mit
einem fröhlichen Reibekuchen-Wettbewerb mitten in Pskow im Kinderpark endete
die Deutsche Woche. Die Band der Mülheimer Werkstätten mit Walter Vahrenkamp
sorgte (wie auch an den anderen Tagen) für die musikalische Untermalung. Viele
Menschen waren gekommen. Viele Kinder vor allen Dingen. Es wurde viel gelacht.
Essen hält Leib und Seele zusammen, und auch die Freundschaft zwischen
Deutschen und Russen geht durch den Magen. Die Sonne strahlte von einem
russisch-blauen Himmel herunter auf einen schönen grünen Park, in dem sich die
Bäume allmählich herbstlich zu färben beginnen. Da war Stimmung. Ein Gefühl
der Leichtigkeit. Und ganz viel Hoffnung. Eine schöne Idee!
Alles
in allem, wenn ich mit meinen inneren Augen zurückblicke: ein warmer Wind der
Geborgenheit und Güte wehte in diesem September durch die Deutsche Woche in
Pskow. Ja, die ganze Stadt. Dieser Wind begann ja bekanntlich zu wehen, als das
heilpädagogische Zentrum (HPZ) vor 10 Jahren mit einem bis heute
bewundernswerten Engagement der Kirchengemeinde Wassenberg errichtet
wurde, die Initiative Pskow in den Folgejahren schließlich Gestalt gewann und
sozusagen laufen lernte.
Anlässlich
des 1.100-jährigen Stadtjubiläums der Stadt Pskow war in diesem Jahr ausgiebig
Gelegenheit, die politische, wirtschaftliche und humanitäre Geschichte der
Stadt deutsch-russisch in Augenschein zu nehmen. Eine große über 40-köpfige
Delegation der rheinischen Kirche war angereist. An ihrer Spitze Präses
Nikolaus Schneider. Hinzu kam eine Delegation aus Neuss. Mit dabei der Mann,
dessen Name nunmehr die beschützende Werkstatt ziert: der beeindruckend rüstige
und vitale 90-jährige Unternehmer Werner Peter Schmitz. Ohne ihn wären wir mit
unserem Vermögen schnell am Ende. Sein Vermögen vermochte und vermag viel. Wir
konnten jetzt den zweiten Bauabschnitt der Werkstatt eröffnen. Er macht es möglich,
dass nunmehr gut 90 junge Erwachsene mit Behinderungen dort eine sinnvolle Beschäftigung
finden, die in ihrem Leben sicherlich auch dazu beiträgt, Sinn zu stiften und
ihm einen Wert zu geben.
Geborgenheit
und Güte brauchen halt Hände und Füße, wenn sie greifbar werden sollen. Sie
brauchen eine Gestalt. Die beschützende Werkstatt ist solch eine Gestalt, die
natürlich auch viele finanzielle Mittel braucht, wenn sie denn wachsen,
gedeihen und erhalten werden soll. Auch deshalb freute sich der Geschäftsführer
der Initiative Pskow Dr. Dieter Bach gemeinsam mit unserer Schatzmeisterin
Martha Vahrenkamp, dass es gelungen war, Vertreter der deutschen Wirtschaft zu
Investitionen in Pskow zu motivieren.
“Wer
andern Güte und Liebe erweist, findet ein erfülltes Leben” - so steht es auf
einer der beiden Tafeln im Eingangsbereich zum neuen Werkstattgebäude. Mir geht
durch den Sinn, dass dies für Werner Peter Schmitz gilt und für alle die
Menschen, die mit den ihnen zu Verfügung stehenden großen und kleinen Kräften
und Mitteln ebenfalls beteiligt sind an der Entwicklung, am Aufbau und an der
Begleitung nahezu schon unzählig vieler Projekte unter dem Dach der Initiative
Pskow. “Wer andern Güte und Liebe erweist, findet ein erfülltes Leben” -
ich ergänze: und stiftet erfülltes Leben. Gerda Schmeer, der Initiative seit
Anbeginn verbunden, sagt: "Es bleibt gültig, was Bürgermeister Kalinin
gesagt hat: Pskow ist vielleicht nicht die schönste Stadt in Russland; aber sie
ist dabei, die menschlichste Stadt zu werden."
Von
daher war das Motto der Deutschen Woche gut gewählt: "Spuren in die
Zukunft". Die Bitte um Vergebung hat zur Versöhnung geführt und russische
Herzen geöffnet. Spuren vergangenen Unheils sind auf heilvolle zukunftweisende
Wege umgeleitet worden. Ich bin sehr glücklich, dass es uns Deutschen gelungen
ist, auf sehr behutsame Weise Zeichen der Menschenwürde zu setzen. Und zwar
gerade in den Randbereichen der russischen Gesellschaft. Das gilt z.B. für das
Hospiz; es gilt für das Waldhaus für jugendliche Waisen, das wir jetzt eröffnet
haben und ebenso für die neu eröffnete Station für die verlassenen Säuglinge
im Kinderkrankenhaus in Pskow. Die Leiterin der Station sagte: Wir nennen dieses
neue Zuhause für die verlassenen Säuglinge "Ein warmes Dach". Als
ich das hörte, musste ich an die vielen russischen Dächer denken, die mir
begegnet sind: auf den einfachen Holzhäusern, auf den Plattenbauten; oftmals
alles andere als wärmende Dächer. Dächer mit Lücken und Löchern. Aber
Menschen leben dort, müssen dort leben und füllen ihre Wohnungen - mit der
Sehnsucht nach einem warmen Dach. Sie brauchen Menschen - deutsche und ganz
sicherlich auch russische, die wie es die Pskower Schulamtsleiterin bei der Eröffnung
des Waldhauses formuliert hat, statt einem Herzen einen feurigen Motor in sich
haben - also Feuer im Herzen. Ich bin der Meinung: es wird deshalb nicht unsere
Aufgabe sein, goldene Wasserhähne zu installieren, sprich: deutschen Luxus zu
exportieren. Wir werden darauf achten müssen, dass wir bei allen Investitionen
– wie es Hans Paskert der ebenfalls im Unruhestand stehende Leiter der Mülheimer
Werkstätten ausdrückte - die russische Normalität im Blick behalten. Das soll
uns gewiss nicht daran hindern, sinnvolle und weiterführende Technologien behutsam
einzuführen z.B. bei der Wärmedämmung der Häuser.
Unsere
russischen Freundinnen und Freunde - und das sind sie mittlerweile geworden -
werden irgendwann ohne unsere Initiative gehen und leben müssen. Sie brauchen
dazu das Gefühl, dass sie das, was mit unserer deutschen Hilfe aufgebaut worden
ist, auch alleine und selbstständig mit ihren Mitteln weiterführen können.
Sie brauchen dazu auch eine Menge an innerem Rüstzeug, die vor ihnen liegenden
Aufgaben zu meistern. Dazu braucht es mit Sicherheit qualifizierte Aus- und
Fortbildung.
Eine
lange Strecke liegt noch vor uns. So formulierte es Michael Dirkx, Geschäftsführer
der W.P Schmitz-Stiftung und enger Vertrauter von Werner Peter Schmitz. Er hat
Recht. Die Initiative Pskow wird diese Strecke gemeinsam mit allen ihr
verbundenen deutschen und russischen Weggefährtinnen und Weggefährten mutig
und zuversichtlich gehen ...mit Feuer im Herzen.
Volker
Raettig
Zu guten Häusern gehört gutes Personal - Die Aktion Mensch und die Robert Bosch- Stiftung helfen der Initiative Pskow
Eine Bleibe zu schaffen für Kranke, Behinderte, Waise und Alte ist die eine Seite. Dringend war und bleibt es noch für lange Zeit nötig, Unterkunft zu schaffen, ein „warmes Dach“ über dem Kopf.
Viele haben uns geholfen, dass wir große Fortschritte in diesem Jahr machen konnten, allen voran die Werner–Peter–Schmitz–Stiftung aber auch viele einzelne Spenderinnen und Spender, Kirchengemeinden und Kirchenkreise.
So konnte die zweite Stufe der Behindertenwerkstatt eröffnet werden, freilich haben wir hier einige Schulden abzutragen, so wurde die Station der verlassenen Säuglinge renoviert, so konnte das Waldhaus, für gefährdete 16–18 Jährige seiner Bestimmung übergeben werden.
Neues Personal wurde in allen Häusern angestellt. Aber sie alle haben nur eine sehr einseitige russische Ausbildung. Ihre Korrekturpädagogik ist weit von dem entfernt, was wir unter Heilpädagogik verstehen, wo es um den ganzen Menschen geht, Ebenbild Gottes, unser Gegenüber und nicht Objekte der Betreuung.
Ein Ergänzungsstudium für alle in der Heilerziehungspflege ist dringend geboten, wollen wir den Menschen wirklich helfen. Aber auch dafür ist viel Geld notwendig, das schon für die notwendigen Baumaßnahmen nicht ausreicht.
Unerwartete Hilfe erhielten wir hier von der Aktion Mensch und der Robert–Bosch–Stiftung. Sie geben keine Mittel für Bauzwecke. Aber sie unterstützen die Ausbildung.
Ihre Mittel setzen uns in die Lage für die Zeit von 2003 – 2007 zunächst 40 Personen eine Zusatzsausbildung zu garantieren und anschließend die Besten von ihnen als Multiplikatoren zu schulen, damit sie selbstständig als Dozenten in Russland arbeiten können und nicht mehr auf unsere Hilfe angewiesen sind.Eine
besondere Förderung erhält das Frühförderungszentrum, das unter der
Trägerschaft der Stadt Pskow von der Rurtal-Schule und dem HPZ begleitet wird.
Dieter Bach
Am 11. September wurde die neugestaltete halbe Etage des Kinderkrankenhauses in einer Feierstunde mit einem anschließenden – russischer Gastfreundschaft entsprechenden – Büffet eingeweiht. Der Umbau, unterstützt von der KINDERNOTHILFE, wurde termingerecht und ohne Mehrkosten fertig gestellt. Er ist sehr geschmackvoll und zweckmäßig gestaltet. Wir waren alle begeistert.
Die verlassenen Säuglinge werden ihr neues Zuhause, das warme Dach, erst nach eingehender Abnahme durch das Gesundheitsamt nach einigen Tagen beziehen.
Zum ersten Austausch von Kenntnissen auf medizinischem Gebiet werden die Chefärztin des Kinderkrankenhauses, Frau Uktina, und die Kinderärztin des Gesundheitsamtes der Stadt, Frau Vorobjowa, Anfang November zu einer vierzehntägigen Hospitation in der Wuppertaler Kinderklinik eintreffen. Dort werden sie von Professor Stephan Wirth eingeführt und mit allen Fachgebieten vertraut gemacht.
Hedda Mönkemöller
Das Förderzentrum, das von der Rurtal-Schule Oberbruch und dem Heilpädagogischen Zentrum Pskow aufgebaut und begleitet wird, hat Anfang Januar 2003 seine Arbeit begonnen. Die Förderung und Behandlung der Kinder von 0–6 Jahren wird von acht Mitarbeiterinnen aus dem medizinisch-therapeutischen und pädagogischen Bereich durchgeführt. Bereits angelaufene und geplante Fortbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen, die von der Rurtal-Schule organisiert werden, stimmen die Mitarbeiterinnen auf eine ganzheitliche Arbeitsweise ein. Helfen werden dabei das Kindertherapiezentrum „Am Kivitzbusch" Neuss und der Ev. Kirchenkreis Lennep.
Die
Sanierung der zur Verfügung stehenden Räume in der Ul. Stachanowskaja macht
gute Fortschritte, nicht zuletzt durch eine großzügige Zuwendung aus dem
RTL-Spendenmarathon im November 2002. Die Schülerband „Rur-Rock – Wir
zusammen“, Träger des WDR-Kinderrechtepreises 2002, hatte durch ihr
tolles Auftreten und durch ihr soziales Engagement die Verantwortlichen von RTL
dazu bewegt, das Projekt „Frühförderzentrum“ mit 95.000 € zu fördern!
Im März 2004 kann sich, wenn die Restfinanzierung für die Sanierung in Höhe
von 25.000 € gesichert ist, das gesamte Frühförderzentrum in hellen und
freundlichen Räumen präsentieren.
Bernd Schleberger
Impressum:
Redaktion:
Dr. Dieter Bach, Geschäftsführer Initiative Pskow in der EkiR e.V.
Düsseldorfer Straße 282
47053
Duisburg
Tel.
und Fax: 02 03 / 66 65 64
E-Mail:
drdieter.bach@t-online.de
Website:
www.initiativepskow.de
Gestaltung
und Layout:
Larisa und Heiko Latz
Druck::
Rurtal-Schule Oberbruch
Autoren:
Bernd Schleberger, Dr. Dieter Bach,
Hedda
Mönkemöller, Volker Raettig
Bankverbindung:
Bank für Kirche und Diakonie
BLZ
350 601 90
Konto:
101 341 5010