Helfen Sie uns, die Hölle abzuschaffen

Fröhliche Behinderte bei der Eröffnung der Werkstatt

 

„Heute war ich in der Hölle. 80 km weit weg von Pskow, abgetrennt von jeglicher Zivilisation stehen vier graue Betonbauten, ein russisches Behindertenheim, wie es sie überall in Russland gibt, Aufbewahrungsanstalten, in denen behinderte Kinder gelagert werden, ohne Perspektive, ohne Möglichkeit auf Entwicklung, ohne Individualität, ohne Freiheit. Mit meiner Chefin waren wir zum 40. Jubiläum eingeladen. Auf nach Urin, Schweiß und Schimmel stinkenden Fluren krochen uns Gestalten entgegen, alle kahlköpfig. Die Haare werden abrasiert, das ist einfacher, alle mit großen, traurigen Augen. Diese Kinder wurden abgegeben, fast keines hat Familie, niemand liebt sie, alle dürr. Das Essen reicht nicht. Schließlich muss ja erst die Betreuerin satt werden.

In zehner Zimmern liegen sie entweder auf ihren durchgelegenen Matratzen 24 Stunden am Tag        oder schleichen sich kriechend über den Boden, angezogen oder auch nicht. Es gibt nicht genug Kleidung. Mir ist schlecht. Ist das noch ein Menschenleben? Wie kann man das verantworten? Auch behinderte Kinder sind doch Menschen. Warum sind sie aus der Gesellschaft ausgestoßen? Nur weil sie nicht normal sind? Ist das ihre Schuld? Werden sie deswegen hier bestraft, indem ihnen alles, was einen Menschen ausmacht, verweigert wird?

Ich habe Glück. Nach fünf schrecklichen, schockierenden Stunden kann ich die Hölle wieder verlassen. Aber die Kinder?“

(Aus: Wiebke Paulsen „Pskower Tagebuch 2002/2003; veröffentlicht bei WDR 5)

 

Deshalb haben wir das Heilpädagogische Zentrum (HPZ) gebaut. Deshalb errichten wir die Werkstatt für Behinderte, damit auch in Russland behinderte Menschen normal leben können. Und es soll Schule machen in Russland, damit die Hölle abgeschafft wird.

Die Unterhaltung des HPZ kostet uns im Jahr 120.000 €.

Der zweite Bauabschnitt der Werkstatt ist errichtet. 90 junge Erwachsene wurden aufgenommen in ein glückliches, geborgenes Leben. Aber noch ist sie nicht bezahlt. Es fehlen uns 27.000 €

 

Helfen Sie mit, damit die Hölle überflüssig wird. Ihre Spende, Ihre Mitgliedschaft (Jahresbeitrag 30 €) oder die Patenschaft zu einem Kind (225 € im Jahr) helfen uns zu helfen.

Unser Konto:

KD – Bank Duisburg

BLZ: 350 601 90

Konto 101 341 5010

Für jede Spende stellen wir eine Spendenbescheinigung aus.

 


Mit einem fröhlichen Reibekuchen-Wettbewerb mitten in Pskow im Kinderpark endete die Deutsche Woche. Die Band der Mülheimer Werkstätten mit Walter Vahrenkamp sorgte (wie auch an den anderen Tagen) für die musikalische Untermalung. Viele Menschen waren gekommen. Viele Kinder vor allen Dingen. Es wurde viel gelacht. Essen hält Leib und Seele zusammen, und auch die Freundschaft zwischen Deutschen und Russen geht durch den Magen. Die Sonne strahlte von einem russisch-blauen Himmel herunter auf einen schönen grünen Park, in dem sich die Bäume allmählich herbstlich zu färben beginnen. Da war Stimmung. Ein Gefühl der Leichtigkeit. Und ganz viel Hoffnung. Eine schöne Idee!

Alles in allem, wenn ich mit meinen inneren Augen zurückblicke: ein warmer Wind der Geborgenheit und Güte wehte in diesem Sep­tember durch die Deutsche Woche in Pskow. Ja, die ganze Stadt. Dieser Wind begann ja bekanntlich zu wehen, als das heilpädagogische Zentrum (HPZ) vor 10 Jahren mit einem bis heute bewundernswerten Engagement der Kirchenge­mein­­­de Wassenberg errichtet wurde, die Initiative Pskow in den Folgejahren schließlich Gestalt gewann und sozusagen laufen lernte.

Anlässlich des 1.100-jährigen Stadtjubiläums der Stadt Pskow war in diesem Jahr ausgiebig Gelegenheit, die politische, wirtschaftliche und humanitäre Geschichte der Stadt deutsch-russisch in Augenschein zu nehmen. Eine große über 40-köpfige Delegation der rheinischen Kirche war angereist. An ihrer Spitze Präses Nikolaus Schneider. Hinzu kam eine Delegation aus Neuss. Mit dabei der Mann, dessen Name nunmehr die beschützende Werkstatt ziert: der beeindruckend rüstige und vitale 90-jährige Unternehmer Werner Peter Schmitz. Ohne ihn wären wir mit unserem Vermögen schnell am Ende. Sein Vermögen vermochte und vermag viel. Wir konnten jetzt den zweiten Bauabschnitt der Werkstatt eröffnen. Er macht es möglich, dass nunmehr gut 90 junge Erwachsene mit Behinderungen dort eine sinnvolle Beschäftigung finden, die in ihrem Leben sicherlich auch dazu beiträgt, Sinn zu stiften und ihm einen Wert zu geben.

Geborgenheit und Güte brauchen halt Hände und Füße, wenn sie greifbar werden sollen. Sie brauchen eine Gestalt. Die beschützende Werkstatt ist solch eine Gestalt, die natürlich auch viele finanzielle Mittel braucht, wenn sie denn wachsen, gedeihen und erhalten werden soll. Auch deshalb freute sich der Geschäftsführer der Initiative Pskow Dr. Dieter Bach gemeinsam mit unserer Schatzmeisterin Martha Vahrenkamp, dass es gelungen war, Vertreter der deutschen Wirtschaft zu Investitionen in Pskow zu motivieren.

“Wer andern Güte und Liebe erweist, findet ein erfülltes Leben” - so steht es auf einer der beiden Tafeln im Eingangsbereich zum neuen Werkstattgebäude. Mir geht durch den Sinn, dass dies für Werner Peter Schmitz gilt und für alle die Menschen, die mit den ihnen zu Verfügung stehenden großen und kleinen Kräften und Mitteln ebenfalls beteiligt sind an der Entwicklung, am Aufbau und an der Begleitung nahezu schon unzählig vieler Projekte unter dem Dach der Initiative Pskow. “Wer andern Güte und Liebe erweist, findet ein erfülltes Leben” - ich ergänze: und stiftet erfülltes Leben. Gerda Schmeer, der Initiative seit Anbeginn verbunden, sagt: "Es bleibt gültig, was Bürgermeister Kalinin gesagt hat: Pskow ist vielleicht nicht die schönste Stadt in Russland; aber sie ist dabei, die menschlichste Stadt zu werden."

Reimar Kirchhoff, unser unermüdlicher Architekt im Unruhestand (er war mit Sohn Markus ange­reist), lenkte in seiner hörenswerten Rede bei der Eröffnung der Werkstatt den Blick auf die deutschen Spuren, als er ausführte: “Mit Zuver­sicht, Mut und Hoffnung haben wir trotz allem angefangen zu bauen, auch wenn die Finanzmittel knapp oder gar nicht vorhanden waren. ... Endlich haben wir eine positive deutsche Spur in diesem Land.”

Von daher war das Motto der Deutschen Woche gut gewählt: "Spuren in die Zukunft". Die Bitte um Vergebung hat zur Versöhnung geführt und russische Herzen geöffnet. Spuren vergangenen Unheils sind auf heilvolle zukunftweisende Wege umgeleitet worden. Ich bin sehr glücklich, dass es uns Deutschen gelungen ist, auf sehr behutsame Weise Zeichen der Menschenwürde zu setzen. Und zwar gerade in den Randbereichen der russischen Gesellschaft. Das gilt z.B. für das Hospiz; es gilt für das Waldhaus für jugendliche Waisen, das wir jetzt eröffnet haben und ebenso für die neu eröffnete Station für die verlassenen Säuglinge im Kinderkrankenhaus in Pskow. Die Leiterin der Station sagte: Wir nennen dieses neue Zuhause für die verlassenen Säuglinge "Ein warmes Dach". Als ich das hörte, musste ich an die vielen russischen Dächer denken, die mir begegnet sind: auf den einfachen Holzhäusern, auf den Plattenbauten; oftmals alles andere als wärmende Dächer. Dächer mit Lücken und Löchern. Aber Menschen leben dort, müssen dort leben und füllen ihre Wohnungen - mit der Sehnsucht nach einem warmen Dach. Sie brauchen Menschen - deutsche und ganz sicherlich auch russische, die wie es die Pskower Schulamtsleiterin bei der Eröffnung des Waldhauses formuliert hat, statt einem Herzen einen feurigen Motor in sich haben - also Feuer im Herzen. Ich bin der Meinung: es wird deshalb nicht unsere Aufgabe sein, goldene Wasserhähne zu installieren, sprich: deutschen Luxus zu exportieren. Wir werden darauf achten müssen, dass wir bei allen Investitionen – wie es Hans Paskert der ebenfalls im Unruhestand stehende Leiter der Mülheimer Werkstätten ausdrückte - die russische Normalität im Blick behalten. Das soll uns gewiss nicht daran hindern, sinnvolle und weiterführende Technologien behut­sam einzuführen z.B. bei der Wärmedämmung der Häuser.

 

Unsere russischen Freundinnen und Freunde - und das sind sie mittlerweile geworden - werden irgendwann ohne unsere Initiative gehen und leben müssen. Sie brauchen dazu das Gefühl, dass sie das, was mit unserer deutschen Hilfe aufgebaut worden ist, auch alleine und selbstständig mit ihren Mitteln weiterführen können. Sie brauchen dazu auch eine Menge an innerem Rüstzeug, die vor ihnen liegenden Aufgaben zu meistern. Dazu braucht es mit Sicherheit qualifizierte Aus- und Fortbildung.

Eine lange Strecke liegt noch vor uns. So formulierte es Michael Dirkx, Geschäftsführer der W.P Schmitz-Stiftung und enger Vertrauter von Werner Peter Schmitz. Er hat Recht. Die Initiative Pskow wird diese Strecke gemeinsam mit allen ihr verbundenen deutschen und russischen Weggefährtinnen und Weggefährten mutig und zuversichtlich gehen ...mit Feuer im Herzen.

Volker Raettig

 


Zu guten Häusern gehört gutes Personal - Die Aktion Mensch und die Robert Bosch- Stiftung helfen der Initiative Pskow

Eine Bleibe zu schaffen für Kranke, Behin­derte, Waise und Alte ist die eine Seite. Dringend war und bleibt es noch für lange Zeit nötig, Unterkunft zu schaffen, ein „warmes Dach“ über dem Kopf.

Viele haben uns geholfen, dass wir große Fortschritte in diesem Jahr machen konnten, allen voran die Werner–Peter–Schmitz–Stif­tung aber auch viele einzelne Spenderinnen und Spender, Kirchengemeinden und Kirchen­kreise.

So konnte die zweite Stufe der Behinderten­werkstatt eröffnet werden, freilich haben wir hier einige Schulden abzutragen, so wurde die Station der verlassenen Säuglinge renoviert, so konnte das Waldhaus, für gefährdete 16–18 Jährige seiner Bestimmung übergeben werden.

Neues Personal wurde in allen Häusern angestellt. Aber sie alle haben nur eine sehr einseitige russische Ausbildung. Ihre Korrek­turpädagogik ist weit von dem entfernt, was wir unter Heilpädagogik verstehen, wo es um den ganzen Menschen geht, Ebenbild Gottes, unser Gegenüber und nicht Objekte der Be­treu­ung.

Ein Ergänzungsstudium für alle in der Heilerziehungspflege ist dringend geboten, wol­len wir den Menschen wirklich helfen. Aber auch dafür ist viel Geld notwendig, das schon für die notwendigen Baumaßnahmen nicht ausreicht.

Unerwartete Hilfe erhielten wir hier von der Aktion Mensch und der Robert–Bosch–Stif­tung. Sie geben keine Mittel für Bauzwecke. Aber sie unterstützen die Ausbildung.

Ihre Mittel setzen uns in die Lage für die Zeit von 2003 – 2007 zunächst 40 Personen eine Zusatzsausbildung zu garantieren und an­schlie­­­ßend die Besten von ihnen als Multipli­ka­toren zu schulen, damit sie selbstständig als Dozenten in Russland arbeiten können und nicht mehr auf unsere Hilfe angewiesen sind.

Eine besondere Förderung erhält das Frühför­derungszentrum, das unter der Trägerschaft der Stadt Pskow von der Rurtal-Schule und dem HPZ begleitet wird.                Dieter Bach

 

 


Ein warmes Dach

Am 11. September wurde die neugestaltete hal­be Etage des Kinderkrankenhauses in einer Feierstunde mit einem anschließenden – russi­scher Gastfreundschaft entsprechenden – Büffet eingeweiht. Der Umbau, unterstützt von der KINDERNOTHILFE, wurde termingerecht und ohne Mehrkosten fertig gestellt. Er ist sehr ge­schmackvoll und zweckmäßig gestaltet. Wir waren alle begei­stert.

Die verlassenen Säuglinge werden ihr neues Zuhause, das warme Dach, erst nach eingehen­der Abnahme durch das Gesundheitsamt nach einigen Tagen beziehen.

Zum ersten Austausch von Kenntnissen auf medizinischem Gebiet werden die Chefärztin des Kinderkrankenhauses, Frau Uktina, und die Kinderärztin des Gesundheitsamtes der Stadt, Frau Vorobjowa, Anfang November zu einer vierzehntägigen Hospitation in der Wuppertaler Kinderklinik eintreffen. Dort werden sie von Professor Stephan Wirth eingeführt und mit allen Fachgebieten vertraut gemacht.

Hedda Mönkemöller

 


Förderzentrum für Kinder mit (geistigen) Behinderungen im Vorschulalter

Das Förderzentrum, das von der Rurtal-Schule Oberbruch und dem Heilpädagogischen Zent­rum Pskow aufgebaut und begleitet wird, hat Anfang Januar 2003 seine Arbeit begonnen. Die Förderung und Behandlung der Kinder von 0–6 Jahren wird von acht Mitarbeiterinnen aus dem medizinisch-therapeutischen und pädagogischen Bereich durchgeführt. Bereits angelaufene und geplante Fortbildungs- und Qualifizierungs­maßnahmen, die von der Rurtal-Schule organi­siert werden, stimmen die Mitarbeiterinnen auf eine ganzheitliche Arbeitsweise ein. Helfen werden dabei das Kindertherapiezentrum „Am Kivitzbusch" Neuss und der Ev. Kirchenkreis Lennep.

Die Sanierung der zur Verfügung stehenden Räume in der Ul. Stachanowskaja macht gute Fortschritte, nicht zuletzt durch eine groß­zügige Zuwendung aus dem RTL-Spenden­marathon im November 2002. Die Schülerband „Rur-Rock – Wir zusammen“, Trä­­­­ger des WDR-Kinder­rechtepreises 2002, hatte durch ihr tolles Auftreten und durch ihr soziales Engagement die Verantwortlichen von RTL dazu bewegt, das Projekt „Frühför­derzentrum“ mit 95.000 € zu fördern! Im März 2004 kann sich, wenn die Restfinanzierung für die Sanierung in Höhe von 25.000 € gesichert ist, das gesamte Frühförder­zentrum in hellen und freundlichen Räumen präsentieren.                           Bernd Schleberger          

 

Impressum:

Redaktion:                               Dr. Dieter Bach, Geschäftsführer Initiative Pskow in der EkiR e.V.

                                               Düsseldorfer Straße 282

47053 Duisburg

Tel. und Fax: 02 03 / 66 65 64

E-Mail:                                   drdieter.bach@t-online.de

Website:                                 www.initiativepskow.de

Gestaltung und Layout:         Larisa und Heiko Latz

Druck::                                   Rurtal-Schule Oberbruch

Autoren:                                 Bernd Schleberger, Dr. Dieter Bach,

Hedda Mönkemöller, Volker Raettig

Bankverbindung:                    Bank für Kirche und Diakonie

BLZ 350 601 90

Konto: 101 341 5010