Kriege enden nicht im Frieden
Frieden aktiv gestalten
10 Jahre Partnerschaft mit der Stadt Pskow
Aus
der Zerstörung entstanden Partnerschaften
Pskow 1941
Deutsche Truppen besetzten die Stadt im Nordwesten Russlands am 8. Juli. Sie
mordeten, errichteten Arbeitslager am Rande der Stadt und verschleppten
Menschen zur Zwangsarbeit nach Deutschland. Die Stadt wurde zum wichtigen
Stützpunkt für die Belagerung von Leningrad, dem heutigen St. Petersburg, 270
km von Pskow entfernt. Fast 400.000 Menschen fallen in und um Pskow den
deutschen Besatzern zum Opfer. Als die Stadt am 23. Juli 1944 von der Roten Armee
befreit wird, haben nur 16 Häuser die systematischen Sprengungen durch die
Besatzer überstanden. 143 Einwohner leben noch in der Stadt.
Pskow 1991
Eine Gruppe evangelischer Christinnen und Christen aus dem Rheinland reist
fünfzig Jahre nach dem Überfall der Nationalsozialisten auf Russland in die
Stadt, die wie kaum eine andere unter der deutschen Gewaltherrschaft gelitten
hat. Zum Gedenktag des Überfalls, am 22. Juni, zitiert Präses Beier aus der
Todesfuge Paul Celans: "Der Tod ist ein Meister aus Deutschland..."
Es geht um Erinnerung und Trauer, und es geht um den Mut zur Begegnung – auch
mit den Schwächsten. Für Klaus Eberl, Delegationsmitglied und Pfarrer aus der
kleinen Stadt Wassenberg bei Aachen, wird aus der Reise eine Vision, die weitreichende
Folgen haben sollte. Dringend erforderlich, aber noch völlig neu sind Hilfen
für schwerstbehinderte Kinder, die in Russland ausgegrenzt sind – ohne
Betreuung und ohne öffentliche Anerkennung. Vor der europäischen Wende 1989
wurden sie in Käfige gesperrt und einfach in psychiatrische Anstalten
abgeschoben, da sie als nicht entwicklungsfähig galten.
Pskow 2001
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Zehn Jahre später gibt es in Pskow gleich
mehrere Anlässe zum Feiern: Die Partnerschaft "Pskow–Rheinland" und
der Start einer Werkstatt für Behinderte Menschen. |
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Drei Holzhäuser und ein Gewächshaus sind
fertiggestellt und bieten 30 Behinderten und einer Förderungsgruppe mit zwölf
Mehrfachbehinderten Platz.
Zur Delegation im Juni 2001 gehören mehr als 40 Vertreterinnen und Vertreter
der Initiative Pskow, dem Dachverband für mittlerweile 37 Initiativen in
der Stadt an der estnischen Grenze. Die Vision von 1991 lebt – in Schul- und
Krankenhauspartnerschaften, Projekten der Obdachlosen- und Behindertenhilfe und
Austauschprogrammen, die von evangelischen Gemeinden und vielen Initiativen
unterstützt werden.
Eva Schüler
Auf dem Weg der
Versöhnung weitergehen
Anlässlich der zehnjährigen Partnerschaft
zwischen der Stadt Pskow und Einrichtungen und Gemeinden der rheinischen Kirche
sowie vielen persönlich Engagierten weilen 32 Gäste aus der russischen Stadt
als Gäste im Rheinland, an ihrer Spitze der Stadtpräsident, Michail Choronen
und der Vizegouverneur, Jurij Demjanenko.
Am 30. und 31. August sind sie bei Gastfamilien untergebracht von Friedewald
bis Xanten.
In dieser Zeit werden sie auch die Partnerprojekte in den verschiedenen
Bereichen der rheinischen Kirche besuchen.
Am 31. August und dem 01. September, dem Weltfriedenstag findet eine
Zentral-veranstaltung in Bonn statt.
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Iwan Kalinin, Vater der Partnerschaft auf russischer Seite
Am 1.
September wird Iwan Kalinin, dem russischen Vater der Partnerschaft zwischen
der Initiative Pskow und seiner Stadt die Ehrenmitgliedschaft durch Den
Vorsitzenden, Klaus Eberl, angetragen.
In der Ehrenurkunde heißt es dazu:
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"Herr Iwan Kalinin hat
wesentlichen Anteil daran, dass es 1991 zur Gründung des
Partnerschaftsverhältnisses kam. Seiner Initiative und Tatkraft ist es zu
verdanken, dass in zehnjähriger Zusammenarbeit das Vertrauen zueinander einen
festen Grund gefunden hat, zahlreiche Projekt entstanden, insbesondere in der
Arbeit für behinderte Menschen Einrichtungen geschaffen wurden, die
Vorbildcharakter für Russland gewonnen haben." |
Iwan
Kalinin
wurde
1940 im Dorf Shelesenka im Gebiet Kalug geboren. 1957 besuchte er zunächst die
Kulturfachschule in Woronesh, um nach erfolgreichem Abschluss in Leningrad die
Kulturhochschule zu absolvieren. Er schloss sein Studium mit dem
Regisseur–Diplom ab.
1966 erhielt Iwan Kalinin eine Stelle bei einer Kultureinrichtung der Stadt Pskow,
wurde Ende der sechziger Jahre Leiter des Kulturamtes und ist seit Mitte der
siebziger Jahre als stellvertretender Bürgermeister zuständig für den Sozial-
und Kulturbereich sowie für die Partnerschaftsarbeit der Stadt.
Iwan Kalinin ist verheiratet und hat einen Sohn und eine Tochter.
In all den Jahren seiner Tätigkeit hat Iwan Kalinin nach dem Grundsatz
gehandelt: Unabhängig von den politischen und geistlichen Anschauungen der
Partner geht es darum, sich gemeinsam für die Menschen einzusetzen, für Kontakte
zu sorgen, sie zu pflegen, weiterzuentwickeln und zu vertiefen. Er nennt das
schlicht "Volksdiplomatie".
Getreu diesem Grundsatz stand Iwan Kalinin praktisch am Anfang jeder
Partnerschaft der Stadt Pskow mit zehn anderen Städten in Ländern verstreut
über die ganze Welt. Er hat sie mit begründet und sie begleitet.
Nicht anders ist es mit der Partnerschaft zu Einrichtungen und Gemeinden der
rheinischen Kirche, die schließlich in der Initiative Pskow eine feste
Form fand.
Es gibt wohl kein Projekt zwischen ihr und der russischen Stadt, das nicht auch
die Handschrift Iwan Kalinins trägt.
Nur einige seien hier genannt: Die russisch–deutschen Versöhnungstreffen 1991,
der Aufbau des Heilpädagogischen Zentrums und der Werkstatt für behinderte
Menschen, die Woche russischer Kultur im Ruhrgebiet 1995, das Buch
"Deutsche Spuren in einer russischen Stadt" 1997, die Seminare und
Hospitationen, Begegnung von Fachkräften und Jugendtreffen, internationale
Tagungen und kulturelle Veranstaltungen.
Seine großen Erfahrungen und seine Fähigkeit, das Wesentliche eines Projektes
zu erfassen, sind von unschätzbarem Wert. Dazu kommt seine absolute
Verlässlichkeit.
Iwan Kalinin war aktiver Teilnehmer an mehreren Kongressen und internationalen
Tagungen.
Seine hervorragende internationale Arbeit wurde u.a. mit dem Silbernen Kreuz
der finnischen Regierung gewürdigt. Am 6. Juli 2001 wurde ihm der Orden der
Völkerfreundschaft auf Grund eines Erlasses des russischen Präsidenten,
Wladimir Putin, verliehen.
Alexandra Pyshowa und Dieter Bach
Aus unseren Projekten
Ökumenische
Russlandhilfe Meerbusch
Seit
mehr als 6 Jahren unterstützt die Ökumenische Russlandhilfe Meerbusch
die Arbeit in Pskow. Getragen wird sie von mehreren evangelischen und
katholischen Kirchen-gemeinden sowie von Einzelpersonen. Ihr Ziel ist es,
bedürftigen Menschen in der Partnerstadt durch Geld- und Sachspenden zu helfen.
Diese Spenden, insbesondere Kleider und Schuhe werden sortiert, verpackt, vom
Meerbuscher Roten Kreuz nach Neuss zu einer Spedition transportiert und dort
gelagert, bis der nächste LKW nach Pskow abgeht.
Dank der großen Spendenbereitschaft der Mitbürger
konnten 2000 vier Transporte nach Pskow abgefertigt werden. Dabei muss man
wissen, dass die Spender nicht nur die Sachen, sondern auch das Geld für den
Transport zur Verfügung stellen.
In der Stadt nahe der estnischen Grenze sind es Menschen des Vertrauens, die
dafür sorgen, dass die Gaben auch die wirklich Bedürftigen erreichen. Diese
Vertrauenspersonen sind insbesondere der Koordinator, Arzt Evgnij Kovaljov, die
stellvertretende Leiterin des Partnerschaftsamtes, Alexandra Pyshowa und
Bürgermeister Iwan Kalinin.
Außer den Spenden an Einzelpersonen werden 3 Teeküchen finanziell unterstütz,
in denen 120 Kinder so wenigstens einmal am Tag eine warme Mahlzeit erhalten
und vor dem Betteln bewahrt werden. Das Geld hierfür stammt aus verschiedenen
Quellen: Aus Benefiz-veranstaltungen mit Musik und Geselligkeit, aus
musikalischen Matinéen, von den Kirchen-gemeinden und von vielen Freunden der
Aktion in Meerbusch und seiner Umgebung.
Jakob und Ingrid Steins
Kindertagesstätten,
die zusammengefunden haben
Auf
der einen Seite steht die Kindertagesstätte Titz–Hasselsweiler. Zu ihr gehört
eine heilpädagogische und integrative Gruppe mit insgesamt 25 Kindern im Alter
von drei bis sechs Jahren. Getragen wird die Einrichtung vom Verein zur
Förderung körperbehinderter Kinder e.V., Jülich.
Auf
der anderen Seite steht die Kindertagesstätte für körperbehinderte Kinder der
Stadt Pskow, in der sich zur Zeit ca. 50 Kinder befinden unter ihnen auch
solche mit geistigen und körperlichen Schädigungen.
Beide Einrichtungen berücksichtigen neben pädagogischen Aspekten
heilpädagogische Methoden, Krankengymnastik und Musiktherapie. Im Mittelpunkt
aller Bemühungen steht natürlich das Kind selbst.
Seit 1997 besteht ein intensiver fachlicher Austausch zwischen beiden
Tagungsstätten. Er ist geprägt von freundschaftlichen Beziehungen und
neugierigen Kinderfragen. Gegenseitige Besuche, in denen neben der Arbeit die
kulturellen Besonderheiten der Gastländer eine große Rolle spielen, sind die
Höhepunkte der Partnerschaft. Sie findet durch die Trägerschaft der Tagesstätte
Hasselsweiler eine große Unterstützung.
Anke Raukohl
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