"Die neue Wirklichkeit"
10 Jahre Partnerschaft mit Pskow

Am 22. Juni 1991 reiste eine große Delegation rheinischer Christen mit ihrem damaligen Präses, Peter Beier, nach Pskow.

Es war der Höhepunkt eines mehrjärigen Prozesses zur Versöhnung mit den Völkern der Sowjetunion. Nach der Veröffentlichung von 16 Thesen zur historischen und politischen Belastung aber auch zu den Perspektiven eines neuen Anfangs, nach dem Erscheinen des Buches "Erinnern und Versöhnen" wollten wir ein sichtbares Zeichen für unseren Willen zur Verständigung setzen.

Wir suchten dazu die Stadt Pskow aus, hatte sie im Krieg unter den Deutschen doch in besonderer Weise gelitten. Ihr Metropolit, Wladimir Popow, wollte von unserem Kommen am 22. Juni nichts wissen. "Kommt nicht an diesem Tag 50 Jahre nach den schrecklichen Ereignissen", sagte er. "Alte Wunden werden aufgerissen. Unsere Trauer über das Erlittene ist zu groß. Kommt lieber am 23. Juli, dem Tag der Befreiung." Wir baten, gerade in der Stunde des Leidens bei unseren russischen Partnern sein zu dürfen. Die Pskower ließen sich darauf ein.

Und es kam zu wirklicher Partnerschaft. Das war in erster Linie das Verdienst Peter Beiers, der immer die richtigen Worte fand, ob in Krasucha, am Ort des von den Deutschen ausgemordeten Dorfes oder während der Totenmesse in der Dreifaltigkeitskathedrale. Dort prägte er das Wort von "der neuen Wirklichkeit".

Er führte aus:
Christus setzt die neue Wirklichkeit.
Sie heißt Versöhnung.
Eine andere Wirklichkeit zählt nicht.
Wir sagen euch Dank dafür.
Wir grüßen euch im Namen der neuen Wirklichkeit.
Wir mahnen und warnen die Welt:
Wer an der neuen Wirklichkeit vorbeilebt, der fällt ins Nichts."

So konnte Metropolit Wladimir am Ende des Besuches erklären: "Es ist gut, dass ihr gekommen seid."

Jener Besuch vor 10 Jahren stand am Anfang einer tiefen Partnerschaft. 37 Projekte - von der Zusammenarbeit zwischen Kindergärten bis zum Heilpädagogischen Zentrum und zur Werkstatt für Behinderte - enstanden. Gemeinden, Kirchenkreise und viele Einzelpersonen sin daran beteiligt. Ihnen allen gilt unser Dank.

Anlässlich der zehnjährigen Partnerschaft wollen wir wieder Delegationen zwischen Pskow und der rheinischen Kirche austauschen. Dabei geht es nicht um nostalgische Erinnerung, sondern um sich 60 Jahre nach dem Überfall darin zu bestärken, dass Versöhnung geschehen und darum ein neues Miteinander gelebt werden kann.

Klaus Eberl


Versöhnung leben
Begegnungen mit unseren Partnern in Pskow

60 Jahre nach dem Überfall auf die Sowjetunion, 10 Jahre nach Beginn unserer Partnerschaft mit Pskow wollen wir erneut ein Zeichen dafür setzen, dass die in Christus geschenkte Versöhnung täglich neu gelebt werden will.

Zwei Daten bestimmen den äußeren Rahmen:

Am 22.Juni, dem Tag des überfalls, werden wir mit einer größeren Delegation in Pskow sein. Am 1. September, dem Weltfriedenstag, kommen die Russen zu uns.


Gemeinsam der Leiden gedenken
20.-24. Juni in Pskow

Das Treffen in Russland beginnt mit einem Vorprogramm. Eine Reihe unserer Mitglieder brechen schon am 17. Juni nach St. Peterburg auf. Sie werden dort unter anderem auf dem Friedhof Piskarjowskoje an den Massengräbern der während der Leningraderbelagerung von 1941-1943 Verhungerten und Getöten einen Kranz niederlegen.

Danach besuchen sie die "eiserne Stadt" Isborsk, die immer wieder den Angriffen des Deutschen Ordens zwischen 1200 und 1500 getrotzt hat.

Am 20.Juni trifft dich die ganze Delegation in Pskow. Im Mittelpunkt stehen ein ökumenischer Gottesdienst und Gedenkfeiern an den Stätten der 392.000 Ermordeten und Verhungerten während der deutschen Besetzung von 1941-1944.

Gegenwart und Zukunft sollen aber in gleicher Weise mit einbezogen werden. So wird der erste Bauabschnitt der Werkstatt für Behinderte eröffnet. 40 geistig und schwermehrfach Behinderte zwischen 18 und 25 Jahren finden in drei renovierten und behindertengerecht umgebauten Ferienhäsern Aufnahme

Im Namen der Initiative Pskow wird Klaus Eberl die Vertreter der Stadt zu einem Empfang in das Heilpädagogische Zentrum einladen. Den Abschluss bildet ein Picknick von Gastgebern und Gästen am Ufer der Welikaja.


Frieden aktiv gestalten
29.August bis 2.September

Im Herbst werden die russischen Freunde bei uns sein. Eine zweiteilige Veranstaltung ist geplant.
Zunächst besuchen die Pskower Projektpartner ihre Freunde hier. Sie wohnen in Gastfamilien, besichtigen und besprechen gemeinsam die Vorhaben der Vergangenheit und der Zukunft.
Am 31. treffen sich Deutsche und Russen in Bonn. In einer gemeinsamen Mitgliederversammlung sollen die Projekte präsentiert, Beschlüsse für die zukünftige Arbeit gefasst werden.
Der erste September ist dem Auftrag zum Frieden gewidmet. Eröffnet wird der Tag mit einem ökumenischen Gottesdienst an den sich eine Gedenkfeier am Mahnmal für die Opfer des Krieges und der Gewalt anschließt.
Unter dem Thema "Kriege enden nicht im Frieden - Frieden aktiv gestalten" laden wir am Nachmittag zu einer öffentlichen Veranstaltung mit dem Vorsitzenden des Deutsch - Russischen Forums, Dr. Andreas Meyer - Landrut und dem russischen Botschafter, Sergij Krylow, ein.
Wir bitten alle Mitglieder, sich besonders den 1.September für die gemeinsame Veranstaltung frei zu halten.
Dieter Bach


Aus unseren Projekten

1. Ein Curriculum für Heilpädagogik

Die Rurtalschule, Schule für Geistigbehinderte des Kreises Heinsberg, hat gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des HPZ Pskow unter der Trägerschaft der Evangelischen Kirchengemeinde Wassenberg mit der Entwicklung neuer Richtlinien und eines Lehrplans für Heilpädagogik dazu beigetragen, dass das Recht auf Bildung für alle Kinder und Jugendlichen und das Recht auf Persönlichkeit (gerade auch für Menschen mit schwersten Behinderungen) umgesetzt werden können. Sie geben damit vielen Kindern und Jugendlichen ihre Würde zurück.

Das russische Bildungsministerium hat diese Richtlinien inzwischen als beispielhaft für die gesamte Russische Föderation anerkannt und sorgt für ihre Verbreitung.

Bernd Schleberger

2. Eine Verbindungsstelle der International Police-Association (IPA) in Pskow

"Servo per Amikeco - Dienen durch Freundschaft"

Als vor nunmehr 10 Jahren die Verbindungsstelle in Mülheim an der Ruhr der IPA durch den Landesgruppenleiter NRW, Friedrich Schwindt, gebeten wurde, die Betreuung der russischen Milizangehörigen anlässlich eines Seminars der Evangelischen Akademie in Mülheim zu übernehmen, haben wir nicht lange überlegt und sofort zugestimmt.
Die IPA ist ein weltumspannendes Netz der Freundschaft, dem bisher fast 300.000 Polizistinnen und Polizisten angehören. Die Staaten der ehemaligen Sowjetunion zälen immer noch zu den "weißen Flecken" auf dem IPA-Globus mit einer Ausnahme.
Aus einer weiteren Betreuungsaktion in Mülheim und zwei Gegenbesuchen in Pskow konnten im Laufe der Jahre freundschaftliche Kontakte und Beziehungen gekn¨pft werden, die es zu vertiefen gilt. Zu ber¨cksichtigen ist, dass die schwierige politische Situation mit dem damit verbundenen Einsatz von Pskower Milizangehörigen in Tschetschenien und die finanzielle Lage unser Vorhaben schwierig gestalten.
Besonders erfreulich ist, dass auf Grund unseres Zuspruchs in Pskow zwischenzeitlich eine Verbindungsstelle der IPA gegründet wurde.

Peter Degener,
Leiter der Verbindungsstelle Mülheim

3. Mehr als 18.000,00 DM für Projekte in Pskow

Viele von uns haben den Ljubjatow-Chor der Nikolausgemeinde in Pskow während seiner Tournee durch Deutschland im August und September erlebt. Die wunderbare Darbietung geistlicher und weltlicher Musik werden unvergessen bleiben.
Mit seiner Tournee hat der Chor zugleich große Einnahmen erzielt.
Georg Linke

DIE BILANZ:

Einnahmen18.498,00 DM
Ausgaben 
Projekte von Vater Wladimir in Pskow6.050,00 DM
Werkstatt für Behinderte9.000,00 DM
Suppenküche Neuss1.000,00 DM
Teeküche Meerbusch2.000,00 DM
Diverse Auslagen448,00 DM

18.498,00 DM

Noch mehr vom Geld

1. Weihnachtssammlung 2000/2001

Noch ist der Eingang der Spenden im Rahmen unserer Weihnachtssammlung nicht beendet. Die Mitglieder und Interessierten (insgesamt 250 Personen) spendeten bisher 32.000,00 DM, Kirchengemeinden und Kirchenkreise 38.000,00 DM.
Der Krankentransportwagen für das Hospiz (Kosten insgesamt 20.000,00 DM) ist schon bestellt und geliefert. Er trägt die Aufschrift "Gespendet von der Initiative Pskow, Rheinland." Allen, die zu diesem hervorragenden Ergebnis beigetragen haben, herzlichen Dank.
Dieter Bach

2. Von 66.345.76 DM auf 498.495,30 DM - Kassenabschluss 2000

Wie sehr sich die Aktivitäten unserer Initiative ausgedehnt haben, lässt sich auch am Kassenabschluss 2000 ablesen. Unsere Einnahmen haben sch mehr als versiebenfacht.
Martha Vahrenkamp

Im Einzelnen teilen sie sich wie folgt auf:

Verwaltungsaufgaben (Mitgliederbeiträge (10.650,00 DM) Überschüsse von 1999, Zinsen etc.)17.899,63 DM
Für die Werkstatt für Behinderte271.449.59 DM
Für das Heilpädagogische Zentrum23.585,90 DM
Für rheinische Projekte20.296,33 DM
Von der W.P. Schmitz - Stiftung106.707,26 DM
Studienreise39.255,00 DM
Durchlaufend (Gelder unserer Mitglieder für Projekte in Pskow)19.301,59 DM

498.495,30 DM

Ihre Anfragen richten Sie bitte an die
Geschäftsstelle der Initiative Pskow e.V.
Düsseldorfer Straße 282
47053 Duisburg
Tel.: 02 03 / 66 65 64
Fax.: 02 03 / 6 69 43 92
Impressum
Redaktion:Dr. Dieter Bach, Geschäftsführer
Initiative Pskow in der EKiR e.V.
Düsseldorfer Straße 282
47053 Duisburg
Tel.: 02 03 / 66 65 64
E-Mail:drdieter.bach@t-online.de
Website:www.initiativepskow.de
Gestaltung und Layout:Larisa und Heiko Latz
Editorial:Klaus Eberl
Autoren:Dr. Dieter Bach, Bernd Schleberger, Martha Vahrenkamp, Dr. Georg Linke, Peter Degener
Bankverbindung:Bank für Kirche und Diakonie
BLZ 350 601 90
Konto: 101 341 501 0