Rundbrief Initiative PSKOW

September 2000 / Nr. 2

Liebe Mitglieder der Initiative Pskow!

Rußland ist ein Land mit einem doppelten Gesicht. Durch die Projekte ist es für viele Mitglieder der "Initiative Pskow" zu einer zweiten Heimat geworden. Da sind Freunde, mit denen wir gemeinsam planen und realisieren. Da sind konkrete Vorhaben, die ihre Kraft entfalten und die wunderbare Erfahrung vermitteln, daß auf eine heillose Welt kein weltloses Heil wartet, sondern konkrete Zeichen der Hoffnung. Viele Bande sind geknüpft. Die Versöhnungsreise von 1991 hatte weitreichende Folgen. Vorzeigbar sind die Erfolge der Zusammenarbeit. Im kommenenden Jahr werden wir den zehnten Jahrestag des Beschlusses der Rheinischen Landessynode zur "Versöhnung mit der Sowjetunion" angemessen feiern.
Gerade wgen der gewachsenen Verbindungen schrecken uns traurige Nachrichten auf. Verborgen vor den Augen der Öffentlichkeit geht in Tschetschenien der Krieg weiter, unter dem die Zivilbevölkerung furchtbar leidet. Die Symbole russischer Macht lösen sich auf. Spätestens seit dem Untergang des U-Bootes in der Barentsee, seit dem Feuer im Moskauer Fernsehturm, ist deutlich, daß die "neue russische Idee" noch kaum in den Umrissen erkennbar ist. Die Wirtschaftsdaten scheinen sich zu stabilisieren, aber die Menschen in Pskow und anderswo spüren wenig davon. Sie müssen sich darauf konzentrieren, den täglichen Kampf um die kleinste Verbesserung des Alltags zu bestehen. Für Träume bleibt anscheinend keine Zeit.
Dennoch ist in den vergangenen Jahren Pskow zu einem Hoffnungsträger geworden, zum Teil - wie auch im Falle der Behindertenarbeit - für die gesamte russische Föderation. Dazu haben viele großartige Projekte ihren Beitrag geleistet. Offensichtlich hat die "Generation P" (Viktor Pelewin), und diesmal steht der Buchstabe auch für die Stadt Pskow, eine durchaus verheißungsvolle Perspektive. Daran haben viele mitgearbeitet. Sie haben die Erfahrung gemacht, daß Versöhnung konkret sein muß und sein kann. Ich danke allen, die sich in unserer Initiative engagieren oder sie unterstützen.

Herzliche Grüße
Ihr

Klaus Eberl


Die soziale Lage der Menschen muss verbessert werden

Interview mit dem neuen Stadtpräsidenten von Pskow, Michael Choronen

Herr Stadtpräsident, zunächst möchten wir Ihnen von der Initiative Pskow ganz herzlich zu Ihrer Wahl im März dieses Jahres gratulieren. Mehr als 72% aller abgegebenen Stimmen auf sich zu vereinigen, ist ein beachtliches Zeichen für das Vertrauen, das Ihnen die Menschen der Stadt entgegenbringen.

Ich freue mich über dieses Ergebnis. Es ist für mich ein Ansporn, alles, was in meinen Kräften steht, zu tun, um die Situation in der Stadt zu verbessern.

Wo setzen Sie Prioritäten?

In der Infrastruktur gilt es, die bestehenden Mägel zu beseitigen. Sie sehen sie zum Beispiel im Zustand der Straßen. Die Wirtschaftskraft der Stadt muss gestärkt werden. Mein besonderes Augenmerk aber ist auf die Verbesserung der sozialen Situation gerichtet.

Ihnen ist sicher bekannt, dass unter den 44 Projekten der Initiative Pskow in Ihrer Stadt die meisten einen sozialen Charakter tragen.

Die Tätigkeit der Intitiative Pskow beobachte ich seit langem. Unter den 10 Städtepartnerschaften, die uns mit vielen Ländern verbinden, sind die Kontakte Ihrer Einrichtung die Intensivsten und die Tiefsten.

Gibt es Bereiche, in denen Sie auf unser besonderes Engagement hoffen?

Ich danke Ihnen für diese Frage, weil ich es sonst kaum so direkt von mir aus angesprochen hätte. Prirorität haben für mich zwei Bereiche:
Der erste ist das städtische Krankenhaus. Ich habe im Wahlkampf mein Ehrenwort gegeben, dass der so nötig gebrauchte neue Flügel gebaut wird. Dafür müssen wir einen Kredit aufnehmen. Für die Innenausstattung bleibt nichts übrig. Wenn sie da helfen k&oouml;nnten...
Der zweite ist die von Ihnen so vorbildlich aufgebaute und getragene Behindertenarbeit. Hier hat unsere Stadt inzwischen Vorbildcharakter für ganz Russland. Im Jahre 2003 feiern wir das 1.100 Stadtjubiläum. Ich wäre sehr glülich, wenn wir dann die Werkstatt für Behinderte der Öffentlichkeit übergeben könnten.

Wir werden, Herr Stadtpräsident, alles was in u n s e r e n Kräften steht zu tun, um das Ziel zu erreichen.
(Das Gespräch mit Michael Choronen fürte Dieter Bach)


Die Werkstatt für Behinderte

Die Grundplanung für Werkstatt, Wohnbereich und Verwaltung wurde durch Architekt Reimar Kirchhoff erstellt, der ehrenamtlich für uns arbeitet. 150-200 Plätze für geistig und schwermehrfach Behinderte sollen geschaffen werden.
In der ersten Phase wollen wir die drei vorhandenen größeren Holzhäser behindertengerecht ausbauen, das Gartengelände erschließen, Treibhäser bauen und das ganze Gelände zur Sicherung einzäunen.
Mit den 100.000,00 DM, die wir für 2000 zur Verfügung stellen Können, schaffen wir es gerade, die drei Häser winterfest zu machen. Due Gesamtkosten allein für die Werkstatt liegen bei einer Million DM.
Für den weiteren Ausbau stehen wir zur Zeit mit mögelichen Sponsoren in Verhandlung. Eine konkrete Zusage liegt bisher von der Düsseldorfer W.P Schmitz-Stiftung vor.
Ganz wichtig bleiben für uns die vielen kleinen und großen Spenden, durch die unsere Arbeit getragen wird. (Dieter Bach)


Unsere Projekte stellen sich vor

Inzwischen sind es 37 Projekte, die durch die Initiative Pskow getragen oder begleitet werden. Nachdem wir im ersten Rundbrief die kirchliche Schule von Pawel Adelheim und den Ljubjatow-Chor vorgestellt haben, machen wir Sie heute mit drei weiteren Projekten bekannt.

Das Herz bleibt in Pskow

Zum siebten Mal fand im Juli das internationale Sommerlager im Heilpädagogischen Zentrum statt. 15 junge Pskower und 15 Jugendliche aus Wassenberg nutzten die Ferien, um dem HPZ neuen Glanz zu geben.
Eine Gruppe versetzte den Zaun, eine andere gab den Bäken und Tischen im Freien einen neuen Anstrich, eine dritte arbeitete im Gemüsegarten, eine vierte richtete den Kinderspielplatz neu ein. Unter anderem baute sie einen Sandkasten in Herzform. Das "Das herz bleibt in Pskow", wollten die deutschen Jugendlichen damit zum Ausdruck bringen, die nach vierzehn gemeinsamen Tagen eine tiefe Freundschaft mit den russischen Partnern verband.


Das Bethesda-Krankenhaus Duisburg
Seit den Anfängen - Miträger der Initiative

Kaum war 1991 die erste große rheinische Delegation aus Pskow zur¨ckgekehrt, kam es zur Hospitation von Ärzten aus dieser Stadt in unserem Krankenhaus. Das ist zu einer festen Einrichtung geworden. Für den Herbst erwarten wir die vierte Abordnung, zwei Ärzte und eine Dolmetscherin. Die Erfahrung hat uns gelehrt, dass es nur so kleine Gruppen sein können wenn wir in schwierige Themen oder komplizierte Geräte wie Linearbeschleuniger, Tomograph oder Computertomograph der neuesten Generation einfüren wollen.
Bei einem Gegenbesuch in Pskow konnten wir uns vom Engagement der Mitarbeiter ebenso überzeugen wie von den unzureichenden Möglichkeiten der Patientenversorgung. Zur Partnerschaft mit den russischen Krankenhäusern gehört auch die regelmäßige Versorgung mit Antibiotika und Insulin durch die Bethesda-Apotheke.
Dr.med.Eckehard Rink, ärztlicher Direktor

Voneinander und miteinander lernen

Seit zwei Jahren findet ein Austausch zwischen Studenten der Polytechnischen Hochschule in Pskow und einer Hochschule in Nordrheinwestfalen statt. Leider geschieht es bisher nur einseitig: 7 Studenten aus der Partnerstadt konnten jeweils ein ganzes Jahr in Deutschland sein.
Sechs Monate studierten sie in ihrem Fach an einer Schule in Aachen und K&oml;ln, sechs Monate leisteten sie ien von der Hochschule geleitetes Praktikum ab.
Die Sprachbarrieren verhinderten bisher, dass auch Studenten aus dem Rheinland in Pskow studieren konnten. Die Carl-Duisburg-Gesellschaft finanziert den Aufenthalt durch ein Stipendium.
Dr. Dieter Scheven, Düsseldorf

"Wir blicken voll Neid auf das Vorbild in Pskow"

23 Mitglieder unserer Initiative fürte im Juli/August eine Studienrundfahrt nach St. Petersburg, Petrosawodsk, Puschkinberge und nat¨rlich Pskow. Die Reise wich stark von dem üblichen Programm ab, weil zum Beispiel in St.Petersburg Orte aufgesucht wurden, die sonst in keinem Programm stehen, den deutschen Spuren in Pskow nachgegangen wurde, und die zweite Stadt Peter des Großen, Petrosawodsk eingeschlossen war. Dort besichtigten wir auch die Anfänge in der Behindertenarbeit und führten Gespräche mit den Verantwortlichen. Sehr eindrücklich war uns der Satz: "Wir blicken voll Neid auf das Vorbild in Pskow. Gern würden wir von der dort geleisteten Arbeit lernen. Aber leider fehlt uns das Geld für die Fahrkarte."
Dieter Bach

10 Jahre Städtepartnerschaft

Vom 10.-17. Juni feierten die Städte Neuss und Pskow das zehnjärige Bestehen ihrer Staädtepartnerschaft. Eine fünfköpfige Delegation aus Russland unter Leitung des Stadtpräsidenten Michael Choronen nahm daran teil. Anlässlich eines Festaktes wurde sie im Rathaus empfangen. Sie führten Fachgespräche mit Bürgermeister Napp, der Stadtverwaltung, den Neusser Schützen und anderen städtischen Repräsentanten.
Von allen Seiten wurde betont, wie viele Freundschaften in der Zeit gewachsen sind. Die Pskower bedankten sich für alle erfahrene Hilfe und Unterstützung beim Wiederaufbau ihrer Stadt.
dr. Dieter Scheven, Düsseldorf

Termine, Sonstiges

Im Oktober fliegt eine Delegation der Ev. Kirchengemeinde Wassenberg nach Pskow (Ev. Kgm. Wassenberg, An der Kreuzkirche 4, 41849 Wassenberg). Der nächste Transport der Rurtalschule findet im November statt, der nächste der Kirchengemeinde Wassenberg im April 2001. Übrigens lohnt es sich, im Internet nachzusehen: oder auch www.pskow.de


Ihre Anfragen richten Sie bitte an die
Geschäftsstelle der Initiative Pskow e.V.
Düsseldorfer Straße 282
47053 Duisburg
Tel.: 02 03 / 66 65 64
Fax.: 02 03 / 6 69 43 92
Impressum
Redaktion:Dr. Dieter Bach, Geschäftsführer
Initiative Pskow in der EKiR e.V.
Düsseldorfer Straße 282
47053 Duisburg
Tel.: 02 03 / 66 65 64
Gestaltung und Layout:Larisa und Heiko Latz
Editorial:Klaus Eberl
Autoren:Dr. Dieter Bach, Ulrich Schäfer, Karlheinz Potthff, Dr. Georg Linke, Dr. Dieter Scheven
Bankverbindung:Bank für Kirche und Diakonie
BLZ 350 601 90
Konto: 101 341 501 0


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