Wer sich am Feuer wärmen konnte…


Zwölf junge Leute mussten unsere Schule für geistig und mehrfach behinderte Kinder und Jugendliche, das HPZ in Pskow, verlassen, weil sie 18 Jahre alt wurden, und die Schulpflicht damit endet.

Diese zwei gehören dazu. Man sieht ihnen kaum an, dass sie schon 18 Jahre alt sind. Was wird aus ihnen, wenn sie nicht mehr die Geborgenheit des HPZ haben?

 

Wer sich am Feuer wärmen konnte, für den ist es um so schlimmer, jagt man ihn wieder in die Kälte hinaus.

Die Wie sie sich anfühlt, davon weiß Margareta von der Borch zu berichten, die in einem Haus für erwachsene behinderte Menschen arbeitet, von denen es tausende in gleicher ‚Arbeitsweise’ in Russland gibt:

„Bis vor einem Jahr galt Vitali nicht als Mensch, sondern als debiles Stück Fleisch. Tag und Nacht lag er nackt und stumm auf einer Metallpritsche. Alle 10 Stunden bekam der 30 jährige Spastiker stinkenden, braunen Brei eingeflößt. Einmal in der Woche wurde er vom Bett auf den Boden gelegt, zum Stationsflur gezogen und dort neben zwanzig anderen Patienten aufgereiht. Dann kam der Pfleger mit einem Schlauch und spritzte die nackten, zuckenden und schreienden Menschen ab. Waschtag im psychoneurologischen Internat Peterhof…“ (zitiert nach „Die Welt am Sonntag“ 4.April 2004).

Margareta von der Borch hat mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dafür gesorgt, dass Vitali heute zusammen mit 80 anderen als Mensch in Würde leben kann. Vielen, vielen Tausenden ist das bisher in Russland nicht vergönnt.

Wir wollen nicht, dass den Entlassenen aus dem HPZ ein Schicksal widerfährt wie Vitali. Sie sollen alle in unsere Werkstatt aufgenommen werden. Wir haben uns fest vorgenommen, keinen von denen, die uns einmal anvertraut waren, wieder aufzugeben.

Aber es fehlt der Platz, es fehlen die Ausstattungen für schwer mehrfach behinderte Menschen.

Wir haben Gelegenheit, einen Raum und die nötigen sanitären Anlagen herzurichten. Die Stadt hat zugesagt, dafür einen weiteren Pädagogen anzustellen.

 

Für den Bau fehlen uns jedoch 40.000 €

Bitte helfen Sie uns, durch die diesjährige Weihnachtssammlung das Geld zu beschaffen. Schon im Januar kann der Raum fertig sein und die jungen Menschen erfahren weiterhin die Geborgenheit, die Ihnen im HPZ zuteil wurde.

 

Gott begleite Ihre Schritte durch die Tage der Advents- und Weihnachtszeit.

     Mit herzlichen Grüßen Ihre

       Klaus Eberl                            und          Dieter Bach


Zeichen für die Zukunft Junge Initiative Pskow

Die meisten Mitglieder der Initiative Pskow sind schon in der zweiten Hälfte ihres Lebens angelangt. Aber in den letzten Jahren seit der Gründung sind doch auch ein paar junge Menschen hinzu gestoßen. Sie sind wichtig für eine erfolgreiche Arbeit, weil sie mit ihren Ideen Neues anstoßen und Bewährtes in der Zukunft fortführen können.

Dies waren auch die Gründe für das Entstehen der Jungen Initiative Pskow. Wir sind ein Arbeitskreis unter dem großen, schützenden Dach der Initiative. Wir wollen uns bei der Arbeit einbringen und andere junge Menschen anregen sich zu engagieren. Die Junge Initiative ist ein loser Zusammenschluss aller Mitglieder unter 35 Jahren, aber auch alle Nichtmitglieder in diesem Alter sind gerne eingeladen bei uns mitzuarbeiten.

In der nahen Zukunft werden wir mit unserer Arbeit zunächst auffallen durch unsere Reise nach Pskow im Mai 2005 im Rahmen der Feierlichkeiten zum sechzigjährigen Ende des Zweiten Weltkriegs als Zeichen für ein neues deutsch-russisches Verhältnis.

Weiterhin möchten wir im Sommer 2006 helfen, dieses weiter zu normalisieren und Vorurteile abzubauen. Deswegen planen wir eine Jugendbegegnung mit Workcamp-Charakter, damit man sich besser kennen lernt und Vorurteile gar nicht erst entstehen.

Diese beiden Aktivitäten werden die Schwerpunkte unserer Arbeit in den nächsten Jahren bilden.

Weitere Informationen gibt es im Internet auf der Homepage der Initiative Pskow unter der Rubrik Junge Initiative Pskow oder direkt beim Koordinator für Jugendarbeit der IP:

Jonas Wiedner

Tel.: 0221-7162078

E-Mail: jonaswiedner@yahoo.de

 

60 Jahre nach Kriegsende

Gedenken in Pskow

und im Rheinland

Das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 60 Jahren (8. Mai 1945) vereinigt Deutsche und Russen im Gedenken an Leid und Elend, an Hunger und Tod, das dieser Krieg über die Völker gebracht hat. Angesichts der Schrecken des Kriegs bedeutet es wenig, ob ein Volk Sieger oder Besiegter ist. Das Leid ist auf beiden Seiten gleich groß. Das wurde schon bei den Feiern am 2./3.8.2004 in Pskow deutlich, als die Stadt die Befreiung von der blutigen deutschen Besatzung feierte und der Soldaten, die für die Freiheit des Landes gefallen sind, ebenso gedachte wie der Opfer unter der Zivilbevölkerung. Eine Delegation der Initiative Pskow nahm an den Feierlichkeiten teil. Sie wusste sich mit den russischen Freunden einig, dass ein so verheerender Krieg nirgends auf der Welt, aus welchen Gründen auch immer, wieder stattfinden darf.

 

Dieses Gedenken sind wir Deutschen im nächsten Jahr, wenn sich das Ende des Zweiten Weltkriegs zum 60. Mal jährt, den Opfern des Kriegs auf beiden Seiten ebenso schuldig. Für uns Deutsche, die den Krieg gegen Russland begonnen haben, ist die Haltung doppelt schwer. Aber mit den Freunden in Pskow sind wir uns einig, dass wir bei der Erinnerung nicht stehen bleiben dürfen, sondern in die Zukunft blicken wollen. „Spuren in die Zukunft“ formulierte erstmals eine italienische Zeitung über die Arbeit der Initiative in Pskow. Unter dieses Motto stelle die Initiative im Jahre 2003 auch ihre große Ausstellung, die sie anlässlich des 1300-jährigen Stadtjubiläums von Pskow veranstaltete.

 

Jetzt kommt die Ausstellung ins Rheinland. Am 13.5.2005 wird sie im Landeskirchenamt vom Präses der EKiR eröffnet. Eine russische Delegation wird an der Eröffnung und an einer Reihe weiterer Veranstaltungen teilnehmen. Höhepunkt ist ein „Deutsch-russischer Tag“ am 14.5.2005 in Langenfeld, bei dem nach manchem Ernst das Fröhliche an diesem Tag und der Blick in die gemeinsame Zukunft vorherrschen soll.

 

Folgendes Programm ist geplant:

12.5.2005 Vormittags: Gedenken an deutsche und russische Gefallene, an Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter auf dem  Waldfriedhof Duisburg.

Nachmittags: Vorträge und Empfang im Russischen Generalkonsulat Bonn-Bad Godesberg

13.5.2005 Vormittags: Ausstellungseröffnung im Landeskirchenamt, Nachmittags: Mitgliederversammlung I.P.

14.5.2005 Vormittags: Deutsch-Russischer Tag in Langenfeld auf dem Platz vor der Stadthalle, Nachmittags: Gedenkgottesdienst in der Erlöserkirche und Festkonzert in der Erlöserkirche

 

Wir teilen das Programm so frühzeitig mit, damit hoffentlich nicht nur viele die Mitgliederversammlung, sondern auch die übrigen Veranstaltungen besuchen. Vor allem möchten wir schon heute auf die Ausstellung „Spuren in die Zukunft“ aufmerksam machen. Überlegen Sie bitte, ob nicht auch Ihre

 


 

Kirchengemeinde die Ausstellung 2-3 Wochen zeigen will. Die Ausstellung besteht aus 23 Stellwänden, beiderseits mit Text und Bildern, 1x1,20m, Architekturmodell. Näheres über die Ausstellung teilen wir auf Anfrage gerne mit.

Dieter Scheven

 

Ein größerer Bus

mit 40 Plätzen für

Schule und Werkstatt

Im Oktober konnte nun endlich ein großer Bus nach Pskow überführt werden. Seit vielen Monaten bemühten wir uns in Deutschland ein geeignetes gebrauchtes Fahrzeug zu erwerben, mit dem der Transport der behinderten Menschen in Pskow durchgeführt werden kann.

 

 

Übergabe der Busschlüssel

Am 22.10.04 konnte unser Mitglied und „driver“ nach schöner Fahrt mit der Fähre und abenteuerlichen Wartezeiten (9 Stunden ) an der Grenze den Bus der Direktorin der Werkstatt, Frau Larissa Fedotowa, übergeben.

 

 

Der Pskower Engel®/

Holz, ca. 10 x 6,5 x 1,5 cm

Aus der Werkstatt für behinderte Menschen in Pskow. Ein schönes Geschenk für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, für Freunde und Bekannte, für Kranke und Sterbende.

 

Preis: 3,50€, im russischen Leinenbeutel mit Engelsprüchen 5,50€

 

 

Ein neuer Geist

in neuen Häusern

Neue Häuser werden in Pskow errichtet, alt Gebäude werden für eine menschenwürdige Beheimatung renoviert.

Noch sind wir damit nicht fertig, noch fehlen viele Plätze zum Beispiel in der Werkstatt für Behinderte, ein Grund, warum wir um Ihre Hilfe in der Weihnachtsspende bitten, um 12 weitere schwermehrfach behinderte junge Männer und Frauen aufnehmen zu können.

Aber im Frühförderungszentrum, in der Säuglingsstation der Verlassenen, im Kindergarten, in der Schule für geistig und körperlich behinderte Kinder, im Waisenhaus, im Integrationszentrum für gefährdete Jungendliche zwischen 16 und 18 Jahren und in der Werkstatt für Behinderte wurden neue Maßstäbe der Betreuung gesetzt, wie sie für ganz Russland einmalig sind.

Das notwendige pädagogische und medizinische Personal in allen Häusern ist vorhanden und arbeitet nach besten Kräften.

Das allein aber genügt nicht. Sofern sie überhaupt eine sonderpädagogische Ausbildung hatten, geschah das in der Korrekturpädagogik, bzw. in der Defektologie. Letztere besagt: Bei den Menschen, bei denen im geistigen Sinne etwas defekt ist, muss man versuchen, es zu reparieren, gelingt es nicht, schiebt man sie ab, bringt sie in so schrecklichen Häusern unter wie im Internat im Peterhof, in dem Vitali vegetieren, aber kein menschliches Leben führen konnte.

 

Von Anfang an war die Initiative Pskow in ihren verschiedensten Zweigen bemüht, Abhilfe zu schaffen. Aber das gelang nur stückweise.

Da kam ihr die Robert–Bosch–Stiftung zur Hilfe. Sie hatte von der Arbeit in Pskow gehört und war der Meinung, diese gute Sache sollte Schule machen.

Die Stiftung stellte die Mittel für eine fünfjährige Ausbildung in Heilerziehung und Pflege zur Verfügung. 35 russische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollten darin unterrichtet werden.

Fächer sollten unter anderem sein: Ethik, Heilpädagogik, Methodik und Didaktik, Psychologie, Pflege, praktische Anwendungen. 500 Stunden sollten in der Theorie in Russland

und 150 Stunden in der Praxis in Hospitationen in Deutschen Einrichtungen durchgeführt werden.

 

Drei Probleme mussten gelöst werden:

1.         In welcher Sprache sollte die Weiterbildung erfolgen, russisch oder deutsch? Deutsche Dozentinnen sollten die Inhalte vermitteln, in deutschen Einrichtungen musste hospitiert werden. Die russischen Teilnehmenden waren ausnahmslos einverstanden, die deutsche Sprache zu erlernen. Ein ganzes Jahr haben sie neben ihrem Beruf deutsch gelernt. Fast alle haben dabei ein gutes Ergebnis erreicht.

2.         Wer übernahm es, als Dozentin oder Dozent immer wieder für eine Woche nach Pskow zu fahren? Dabei hielten wir auch hierbei unseren Grundsatz durch: Keine deutscher Mitarbeiter erhält auch nur einen Cent Honorar. Die entstehenden Kosten werden ersetzt, mehr nicht.

Wir haben 15 Dozentinnen und Dozenten gefunden, die bereit sind unter dieser Vorgabe vier Jahre für die Sache zur Verfügung zu stehen.

3.         Wo sollte unterrichtet werden? Es war in Blockwochen Ganztagsunterricht. Wir konnten nicht einfach irgendwo unterschlüpfen.

Die Stadt Pskow stellte uns ein renovierungsbedürftiges Haus zur Verfügung. Die Schmitz- und die Software AG Stiftung gaben uns die nötigen Mittel. Die Innenausstattung haben wir aus alten deutschen Beständen mit LKWs nach Pskow geschafft.

 

Im Oktober dieses Jahres konnten wir mit der Ausbildung in Heilerziehung und Pflege beginnen. In vier Jahren hoffen wir in Russland einen Stamm von Mitarbeitenden zu haben, die dann die Arbeit dort selbständig fortsetzten können.

Dieter Bach

 

 

Visa, Visa, Visa…

Seit Jahren arbeiten wir daran. Die Ergebnisse bleiben bruchstückhaft.

Während das deutsche Generalkonsulat in St. Petersburg uns alle Visen für unsere Freunde aus Pskow, wenn sie humanitäre oder kulturelle Reisegründe angeben, auf unser Votum hin kostenlos erstellt, will uns das beim russischen Generalkonsulat in Bonn nicht gelingen.

 

Der russische Konsul versichert mir glaubhaft, dass er keine Visa kostenlos ausstellen darf ohne die Genehmigung des Außenministeriums in Moskau.

Nun besitzt dieses Ministerium Außenstellen in der Hauptstadt jedes Oblasts, so auch in Pskow.

Alexandra Pyshowa und ich haben den Verantwortlichen mehrmals besucht. Er ist immer sehr freundlich. Er versteht unser Anliegen.

Die ‚Fortschritte’ verliefen dann so.

Erster Vorschlag: „Wie viel Personen sind es in Deutschland, die aus humanitären oder kulturellen Gründen nach Pskow reisen müssen?“ war die Frage. Unsere Antwort: „Wir brauchen 9 Jahresvisen und 40 Einzelvisen.“ Der Antrag wurde schriftliche erbeten. Wir legten ihn vor. Die Auskunft lautete: „Es ist auf einem guten Weg.“ Aber es geschah nichts.

 

Zweiter Vorschlag: Eine Rückfrage beim Generalkonsul in Bonn, wie weit die Sache gediehen sei, ergab die Antwort: „Eine rein zahlenmäßige Auskunft genügt nicht. Wir brauchen über das Außenministerium die Namen aller, die Jahres- und Einzelvisen brauchen.“

Das war für uns nur zum Teil erfüllbar, wissen wir doch für ein oder gar mehrere Jahre im Voraus nicht, wer reisen wird. Doch wir machten uns die Arbeit: 45 Namen mit Angaben der Passnummern, der Geburtsdaten, der Geburtsorte.

Die Auskunft lautete: „Es wird bearbeitet.“

Es geschah nichts. 

Eine neue Anfrage ergab: „Die Namen allein mit ihren Angaben genügen nicht. Wir brauchen von jedem die genaue Angabe, von wann bis wann er oder sie reisen will.“ Das können wir nicht, wissen wir doch auf keinen Fall für ein oder mehrere Jahre im Voraus, wann der Einzelne reisen kann und muss.

 

So erhielten wir jetzt grünes Licht des Ministeriums für sieben Jahresvisen. Wir hoffen, dass die kostenlose Ausstellung wirklich gelingt. Für die Einzelvisen stehen wir wieder ganz am Anfang. Wir geben nicht auf. Aber ob es noch zu meinen Lebzeiten gelingen wird, hier das gesetzte Ziel zu erreichen und zu einer Lösung zu finden, wie sie im deutschen Konsulat geübt wird, das bleibt sehr fraglich.

Dieter Bach