Während der Mitgliederversammlung

Am 19. Mai fand die Mitgliederversammlung der Initiative Pskow in der Erlöserkirche in Langefeld statt. 53 Mitglieder waren erschienen und erlebten in der gastfreundlichen Gemeinde einen eindrucksvollen Abend. Die Hauptreferenten waren Iwan Kalinin, Bürgermeister aus Pskow, Ehrenmitglied der Initiative und der Vorsitzende, Klaus Eberl. Auszüge aus dem Protokoll zeigen die Aktualität der Arbeit.

 

Die Initiative hat inzwischen eine Hilfe aufgebaut, wie sie sonst in ganz Russland nicht zu finden ist. Vom Frühförderungszentrum über den Kindergarten, das Heilpädagogische Zentrum bis hin zur Werkstatt hat sie ein geschlossenes System geschaffen. Aber damit nicht genug: Sie ‚verwahrt` die behinderten Menschen nicht nur, nein, sie nimmt sich des Personals so an, dass nach heilpädagogischen Leitlinien gelehrt und betreut wird. Das gerade mit Hilfe der Robert Bosch Stiftung angelaufene Ausbildungsprogramm berechtigt zu der Hoffnung, dass wir in wenigen Jahren Multiplikatoren in ganz Nordwestrussland einsetzen können.

2. Durch Versöhnung zur Partnerschaft

Die erste Phase unseres Wirkens in Pskow war bestimmt durch die Bitte um Versöhnung. Sie mit den Menschen der Sowjetunion in den achtziger Jahren zu suchen, das war gar nicht selbstverständlich. Der Höhepunkt unserer Arbeit war das besondere Besuchsprogramm 1991, fünfzig Jahre nach Kriegsende, unter der Leitung von Präses Peter Beier. Im Mittelpunkt stand das Bemühen um einen neuen Anfang. Als Folge des Besuches entstanden eine ganze Reihe humanitärer Projekte. Aber es kam auch zum Austausch zwischen Schulen und Studenten, zwischen Polizei und Miliz, zwischen Wissenschaftlern und Journalisten. Es entstand als besonderer Schwerpunkt die Behindertenarbeit mit dem HPZ. Doch auch die Aus- und Fortbildung nahm Gestalt an, wieder ausgehend vom HPZ übergreifend auf alle anderen Einrichtungen. So wuchs das Netz, von dem Iwan Kalinin sprach. Aber es konnte nur darum immer engmaschiger gezogen werden, weil es eine so großartige Unterstützung durch die Stadt und die in ihr verantwortlich handelnden Menschen gab. Mehr als 10 Jahre sind seit den Anfängen vergangen. Und blicken wir auf die Jahre des Berichtszeitraums 2003/2004 zurück, so lassen sich viele herausragende Ereignisse nennen:


 

-     Einen internationalen Kongress zur Behindertenarbeit mit dem Kernsatz: „Wie müssen sich unsere Menschenbilder verändern, damit Menschen mit Behinderung mit gleicher Würde gleichberechtigt unter uns leben können?“

-     10 Jahre Heilpädagogisches Zentrum

-     „Wir Zusammen“, das Konzert von Rur–Rock

 Die Buchveröffentlichung „Ich habe in dein Herz gesehen“

-      Das Stadtjubiläum zu 1.100 Jahre Pskow

-      Die Deutsche Woche mit Präses Nikolaus Schneider und die Ausstellung „Spuren in die ,Zukunft“

-      Die Ausbildung in Heilerziehung im pflegerischen und pädagogischen Bereich

-      Die Fortbildung für Eltern und Mitarbeitende in der Werkstatt, gefördert durch die Aktion Mensch

-      Die Eröffnung des Frühförderungszentrum

 

3. Eine positive Bilanz

Frau Vahrenkamp als Schatzmeisterin

trug den Kassenabschluss 2003 vor.

 

Gesamteinnahmen:                        731.659,36€

Gesamtausgaben:                        598.387,94€

Bestand:                        133.271,42€

4. Die Mitgliederentwicklung

 

Stand bei der Mitgliederversammlung

          am 28.04.2003                              162

Stand am 31.12.2003                              195

Stand am 19.05.2004                              214

 

 

5. Planungen

2004: 60 Jahre Befreiung der Stadt

Vor 60 Jahren wurde die deutsche Besatzung aus der Stadt vertrieben, die drei Jahre lang furchtbar in Pskow gewütet hatte. Am 02. / 03 August 2004 wird dort deshalb eine Veranstaltung der 45 köpfigen deutschen Delegation stattfinden zum Thema „Das andere Deutschland“, das nicht zerstört, sondern aufbaut und sich um gute Partnerschaft bemüht.

Inhalte der Veranstaltungsreihe sind unter anderem:

o       Eröffnung der 2. Station für verlassene Säuglinge       

o       Kranzniederlegung an einem Todeslager

o       Gottesdienst in dem neuen Andachtsraum der Werkstatt.

Klaus Eberl, Dieter Bach

 


2005: 60 Jahre nach Kriegsende

 

Aus diesem Anlass findet eine Veranstaltungsreihe hier in Deutschland statt. Eine kleine Delegation aus der russischen Partnerstadt ist dazu eingeladen. Im Landeskirchenamt in Düsseldorf wird die Ausstellung „Spuren in die Zukunft“ eröffnet, die 2003 mit großem Erfolg während der Deutschen Woche in Russland gezeigt wurde. Die Feiern sollen in Langefeld als „Langenfelder Tag der Versöhnung“ stattfinden mit einem Gedenkgottesdienst, Vorträgen, Auftritten von Musikgruppen und Chören. Nähere Angaben dazu werden im Herbst ins Internet eingestellt.

Dieter Scheven

 

Eine bemerkenswerte Arbeit, die auch noch Spaß macht

Vier junge Frauen und Männer arbeiten zur Zeit im Heilpädagogischen Zentrum (HPZ) oder in der Werkstatt für behinderte Menschen in Pskow. Sie leisten dort ihren Zivildienst ab oder verbringen ein freiwilliges soziales Jahr. Auszüge aus ihren Berichten zeigen, wie engagiert sie bei der Sache sind.

 


 

 „… Auch wenn es nur geringe Fortschritte gibt.

Gülabi Türkmen, 20 Jahre aus Meckenheim:

Zusammen mit Emanuela Klein arbeite ich im HPZ. Morgens hole ich zusammen mit dem Fahrer 6–8 Kinder ab. Die Treppenhäuser sind eng, die Aufzüge klein. So muss ich die Kinder oft zum Bus tragen, wo sie dann in ihren Rollstühlen Platz nehmen können.

In der Schule arbeite ich in der Klasse der ältesten Kinder. Ich helfe ihnen, sich umzuziehen, beim Essen oder beim Gang zur Toilette. Schritt für Schritt versuchen wir, sie selbständiger zu machen. Doch oft sind die Behinderungen so groß, dass uns nur ein geringer Erfolg beschieden ist. Aber es macht Freude, mit den Jungen und Mädchen zusammen zu sein, ihre Liebe und Zuneigung zu spüren.“



 

„Ich fühle mich sehr wohl in meiner Arbeit“

Emanuela Klein, 19 Jahre aus Leipzig

Zusammen mit zwei Lehrern und zwei Helfern arbeite ich in der mittleren Klasse der Acht- bis Fünfzehnjährigen. Viele sind auf den Rollstuhl angewiesen. Der Grad der Behinderung ist groß. Ich helfe überall wo ich gebraucht werde bis hin zum Windeln und Lagern. Haben die weniger behinderten Kinder Unterricht, gehe ich oft mit den anderen spazieren, besuche den Sportplatz oder das Bällchenbad. Gelegentlich gestalte ich auch den Einzelunterricht.  Viel Spaß macht es natürlich, wenn wir mit der ganzen Schule in den Zirkus oder ins Konzert gehen. Ich fühle mich sehr wohl bei meiner Arbeit, auch wenn es manchmal zu Missverständnissen und kleinen Problemen kommt.“


 

„Nach anfänglichen Problemen auch wegen fehlender Sprachkenntnisse bin ich sehr zufrieden.


Lars Heckler, 20 Jahre aus Düren

Ich arbeite mit behinderten Menschen in der Holzverarbeitung. Das macht mir so viel Spaß, dass ich überlege, nach meiner Rückkehr mir einen kleinen Raum zur Holzverarbeitung einzurichten. Obwohl viele der Behinderten in Rollstühlen sitzen oder einseitig gelähmt sind, sind sie doch sehr selbständig, kommen zum großen Teil auch allein zur Arbeit. Sie helfen bei der aktuellen Produktion mit. Das ist teilweise sehr abwechslungsreich. Einige aber schleifen tagaus tagein Spielzeuge glatt. Einer Reihe von ihnen macht das durchaus Freude und sie sind zufrieden, andere aber, die weniger behinderten Jugendlichen langweilt es auch. Ich bin in Russland eigenständiger geworden, kann mich auf russisch unterhalten und habe keine Probleme mit behinderten Menschen.

Bemerkenswertes wurde durch die Initiative Pskow in Russland auf die Beine gestellt

Linda Köppen, 20 Jahre aus Aachen

Ich arbeite im Förderbereich der Werkstatt bei den Menschen mit schwereren Behinderungen. Doch auch hier sind viele in der Lage zu arbeiten. Sie ziehen die Zwischenräume von einem mit Aufklebern überzogenen DIN A 4–Bogen ab. Während die Tätigkeit für uns als Betreuerinnen sehr schnell langweilig wird, beobachte ich bei den jungen Frauen und Männern, dass sie sich freuen, wenn es ans Arbeiten geht. Am Ende des Monats präsentieren sie stolz das verdiente Geld. Was mit Hilfe der Initiative Pskow hier auf die Beine gestellt wurde, halte ich für sehr bemerkenswert und hoffe, dass die Arbeit mit dem gleichen Engagement fortgesetzt wird, um bisher noch .vorhandene Defizite auszugleichen.“

Redaktionelle Überarbeitung: Dieter Bach

 


 

In der Werkstatt bedarf der Produktionsbereich besonderer Aufmerksamkeit


Der Aufbau der Behindertenarbeit geht in Pskow erfreulicher Weise stetig und konsequent voran. Nach Vollendung des ersten Neubauabschnittes der Werkstatt für behinderte Menschen konnten jetzt bereits 70 geistig behinderte Menschen dort einen Arbeitsplatz finden und wenn wir dort noch ein wenig zusammenrücken, haben wir auch Platz für weitere 20 Beschäftigte.

Nachdem wir bei der Betreuung ( Förderbereich ) für russische Verhältnisse einen sehr guten

(fachlichen) Stand erreicht haben, müssen wir nun unser Augenmerk stärker auf den Produktionsbereich richten.

(Landschaftsgärtnerei, Pflanzenzucht, Schreinerei, Holzspielzeugherstellung, Hauswirtschaft und Kioskverkauf)

Am 3. August 04 weihen wir zusammen mit Erzbischof Eusebius (Pskow) in der Werkstatt einen kleinen orthodoxen Andachtsraum ein.

Hans Paskert.

 


www.initiativepskow.de

bindet die verschiedenen Projekte zusammen

und braucht noch mehr Verknüpfung untereinander!

Mithilfe gefragt

Nichts verbindet schneller als das weltweite Netz: Und somit gehört seit längerem auch die eigenen Internetpräsenz unter http://www.initiativepskow.de zur Initiative Pskow und sorgt dafür, dass die unterschiedlichen Projekte zusammengefasst und gemeinsam präsentiert werden.

Die Initiative als ganze wird vorgestellt: Alle Rundbriefe sind aufbereitet, Veröffentlichungen und Termine aufgeführt. Das Hauptgewicht der Seiten liegt bei den Einzelprojekten.

Hier liegen noch weitere Chancen: Wir brauchen vor allem mehr Verknüpfungen („Links“) zu den Kooperationspartnern vor Ort. Auf die Initiative-Seite setze ich gerne die Links, die Sie mir bitte schicken! Des weiteren können auch über die bloßen Projektbeschreibungen hinaus Inhalte, Infos und Bilder über die Projekte eingestellt werden, damit man etwas mehr erfahren kann. Wir wollen zudem einen elektronischen Newsletter aufbauen, über den Sie – ergänzend zum Mitgliederrundbrief – per mail ab und zu mit Neuigkeiten versorgt werden. Bitte senden Sie mir ihre E-Mail-Adresse, wenn Sie beim Newsletter dabei sein wollen. Zukünftig wird man sich für diesen Newsletter auch bequem auf der Homepage anmelden können.

Kontakt: mail@dietmar-kehlbreier.de