Spendenfahrt der ehemaligen FSJ-ler
Geplant war unsere Rückreise per Rad von
Pskow nach Dresden schon geraume Zeit. Mit dem Fahrrad von Russland nach
Deutschland zu fahren, schafft schließlich nicht jeder. Inspiriert durch die
vor Jahren stattgefundene Spendenfahrt der Initiative, entschieden wir uns, unsere
Radreise ebenfalls als Spendenfahrt zu gestalten.
Wir, Sebastian Jatzke
und Jens Bache, würden also vom 29. Juli bis zum 18. August 2011 gemeinsam auf
den Fahrrädern verbringen, die Welt erkunden und dabei etwas für die Menschen
im HPZ und in den Beschützenden Werkstätten Pskows
tun. Ein solches Vorhaben bedarf natürlich der angemessenen Kleidung. Und so
bedruckte Sebastian fleißig zwei T-Shirts mit den Namen unserer bereits
gefundenen Spender und einem Pskow-Symbol. Wie wir heute wissen, sollten uns diese
T-Shirts vielfach während unserer Reise nicht nur vor Fahrtwind und nächtlicher
Unterkühlung bewahren, sondern auch Interesse bei Einheimischen wecken und so
helfen, in Kontakt zu treten und interkulturelle Brücken zu schlagen.
Von Pskow aus folgten wir der Straße, die
nach Riga führt. Nach 2 ½ bereits sehr erlebnisreichen Tagen, war dieses Ziel
erreicht. Einen wunderbar sonnigen Rast-Tag verbrachten wir - nein, nicht am
Strand - im Okkupations-Museum. Von neuem Wissen erhellt, ritten wir am
Folgetag in Litauen ein und entschieden uns, nicht der geraden Straße zu folgen,
sondern über die Kurische Nehrung in die Russische
Föderation einzureisen. Wer schon einmal die Kurischen Nehrung bestaunt hat,
wird verstehen können, warum wir noch lange von ihr schwärmen werden! Vor
Kaliningrad schliefen wir eine Nacht bei einem netten Deutsch-Russen, von dem
wir Tage zuvor von anderen Radreisenden erfahren hatten. Kaliningrad selbst war
nicht besonders schön. Wir kamen, sahen und fuhren lieber nach Polen. Nach
ewigem Warten an der russisch-polnischen Grenze konnten wir schließlich
passieren, einen Zeltplatz finden und den nächsten Morgen (12:30 Uhr) mit einem
Fischessen in Frombork einläuten. Die nächste Nacht
verbrachten wir auf dem Zeltplatz eines polnisch-stämmigen Kanadiers in Jantar. Ausgiebige und interessante Gespräche sowie
Nachtspaziergänge am Strand mit diesen Leuten bleiben eindrucksvollste
Erinnerungen.
Als wir tags darauf Gdansk (Danzig)
erreichten, bahnte sich bereits eine Gewitterfront an, die uns auch fast bis
zum Ende unserer Reise begleiten sollte. Danzig war trotzdem sehr schön und
einige sonnenreichere Stunden verlebten wir am Strand und beim Minigolf. Von
den folgenden Tagen ab Danzig Richtung Deutschland, und auch von weiten Teilen
des Oder-Neiße-Radweges, war leider außer Regen nicht viel zu sehen. Doch
führte unser Weg auch durch Bad Muskau an der Neiße.
Dort wurde die im Zweiten Weltkrieg zerstörte und jetzt wiedererrichtete
Grenzbrücke kürzlich (Mitte Oktober) eingeweiht. Als wir im August durch Bad Muskau fuhren, war die Brücke noch im Bau, doch
unterstützten wir die Bauarbeiter mit aufmunternden Rufen während unserer
Vorüberfahrt: „Ihr guten Leut´, baut fleißig
Brücken, welche über die Mauern in den Köpfen der Menschen führen! Brücken für
die Völkerverständigung!“ Dies riefen wir aus voller Kehle - sogar noch,
als wir zwei Tage später auf dem Dresdner Theaterplatz von unseren treuen
Drahteseln stiegen und unsere russischen Bierdosen öffneten, die wir in Pskow
gekauft und die ganze Fahrt über vor Wölfen beschützt hatten.
Eine unvergessliche Reise lag hinter uns -
ca. 1700 Kilometer waren bezwungen. Nur eine Reifenpanne und viele schöne Orte
und interessante Begegnungen. Wir würden es jederzeit wieder tun. Was genau wir
vom Erlös der Reise fürs HPZ und die Beschützenden Werkstädten käuflich
erwerben, können Sie in einem der nächsten Berichte der Initiative nachlesen.
Jens Bache
Einen
ausgiebigeren Reisebericht mit einigen Photos können
Sie in unserem Blog nachlesen: www.pskow-dresden.blogieren.de