Der FC Chelsea wird vom Russen Roman Abramowitsch finanziert, demnächst steigt Gazprom bei Schalke 04 ein. Und wir? Wir bitten Sie um Ihre Spende für Pskow. Warum? Können die Russen nicht selbst für soziale Projekte aufkommen? Leider nein. Der Staat und die Reichen lassen gerade die Ärmsten der Armen, und das sind die geistig behinderten Menschen, völlig im Stich. Zum Beispiel Olga. Sie hatte im Heilpädagogischen Zentrum einen Computer mit Kopfbedienung. Beim Brand der Werkstufe ging er in den Flammen unter. Seit dem 1. September arbeitet sie in der Werkstatt. Fabian Schmidt, der in Pskow seinen Freiwilligen Friedensdienst absolvierte (s. Rundbrief 17) hat ihr ein neues Steuerungsgerät geschenkt für ihren neuen Schreibplatz in der Werkstatt. Swetlana Andrejewa erzählt Olgas Geschichte.

 

Die „Morgenrunde“ im HPZ. Da sitzen alle Kinder und Erwachsenen in einem Kreis, begrüßen sich, erzählen, was gestern Abend zu Haus geschehen ist, und planen dann einen neuen Schultag. Olga ist dran. Sie kann leider nicht sprechen. Die Worte, die sie auszusprechen versucht, sind undeutlich, manchmal kann nur die Mutter sie verstehen. Sie hat gestern in Olgas Tagebuch notiert, dass es seit einiger Zeit zu Hause ein Kätzchen gibt. „Oljenka, wie heißt dein Kätzchen?“ Olga sagt etwas, wir verstehen sie nicht, nennen aufs Geratewohl alle möglichen Katzennamen. Olga schüttelt den Kopf. Sie ärgert sich. Ein Katzenname, na ja. Es gibt aber Sachen, die viel wichtiger sind.

Olga ist klug, zusammen mit der Mutter hat sie das ganze Alphabet gelernt, versucht zu lesen. Im Prinzip könnte sie auch schreiben. Aber Olga kann die Hand- und Beinbewegungen nicht kontrollieren, nur ihre Kopfbewegungen. Obwohl ihr auch das nur mit Mühe gelingt.

Wir schreiben die Buchstaben auf ein großes Blatt aus Pappe. Olga bekommt in einen Stirnreif einen Cocktailstrohhalm gesteckt, der wird zu einer Art „Fühler“, mit dem Olga auf die Buchstaben zeigen kann. Und die Arbeit beginnt: während des individuellen Unterrichts mit dem Logopäden lernt Olga fehlerlos „schreiben“, mit dem Krankengymnasten übt sie, ihre Kopfbewegungen zu kontrollieren. In der Klasse wird es zum Alltag, dass Olga die Fragen mir ihrer kyrillischen Alphabettabelle und dem Fühler beantwortet.

Lange Zeit später. Wir haben inzwischen einen Computer mit einem Spezialprogramm und einer Taste, die Olga mit dem Kopf drückt. Auf diese Weise schreibt sie auf dem Computer. Das ist nicht nur eine Art der Kommunikation, sondern die Vorbereitung auf die berufliche Tätigkeit: Olga schreibt jetzt Visitenkarten, Bekanntmachungen und anderes. Es war mühsam, dauerte lange. Aber was bedeutet Zeit, wenn ein Mensch sich endlich ausdrücken kann?

Das Kätzchen heißt Kusja. Olga hat es uns „erzählt“. Die Träume werden Wirklichkeit.

 

Wir erbitten die Spende:

1. für einen Anbau an das HPZ an Stelle der abgebrannten Werkstufe (s. Rundbrief 16 und 17)

2. für die Ausstattung der Arbeitsräume im dritten Bauabschnitt der Werkstatt, der im August eröffnet wurde. Es geht um eine Wäscherei, eine Druckerei, um Metallverarbeitung mit der Firma Meyra (Rollstühle) und um die Herstellung von Kerzen und Seife. Die Zahl der behinderten Menschen kann von 90 auf 170 erhöht werden.