Der Krieg ist nicht vergessen - Die Junge Initiative Pskow besucht die Stadt

 Am 9. Mai 2005 wurde in Russland der sechzigjährige Jahrestag des Sieges im „Großen  Vaterländischen Krieg“ gefeiert. Aus diesem Anlass war nicht nur der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder in Moskau, sondern auch eine Delegation der Jungen Initiative in Pskow. Diese nahm sich allerdings ein bisschen mehr Zeit und intensivierte den Kontakt mit Pskower Jugendlichen eine Woche lang vom 4.-11. Mai 2005.

 „Wie kann man hier leben?“ „Die haben ja noch nicht mal Gullideckel!“

Das waren einige der ersten Reaktionen von Jugendlichen, die zum ersten Mal nach Russland kamen, bei der Ankunft in Pskow. Am Ende aber waren sich alle einig: „Nach Hause will ich eigentlich nicht, und ich komme bestimmt wieder!“

 „Wenn man darüber nachdenkt, läuft es einem kalt den Rücken herunter.“ „In Worte fassen kann man es eigentlich nicht.“

Vor über sechzig Jahren waren schon mal Deutsche in der Nähe von Pskow. Hinterlassen haben sie einige „verbrannte Dörfer“, in denen sie Partisanen vermuteten. Übrig geblieben sind nur die steinernen Kamine einiger Häuser, und eine Frau hat überlebt, weil sie sich tot stellte. 

 Eine Mutter blickt auf das zerstörte Dorf. Statue bei Krasucha, in der Nähe von Pskow

 

„Das erinnert ein bisschen an Karneval.“

Die Parade zum 9. Mai zeigte uns eine ganz andere Erinnerungskultur als in Deutschland. An diesem Tag wurde uns klar, dass wir uns im Land der Sieger befanden. Trotzdem wurden wir als Deutsche ohne Vorbehalte in die Feierlichkeiten einbezogen. Während der Parade wurden wir sogar von einem russischen Veteranen auf deutsch angesprochen, nachdem er gemerkt hatte, dass wir Deutsche waren.

 

Keine einfache Situation: Deutsche Ansprache vor Vertretern der Stadt und vor Veteranen

 

„Es ist schon ein bisschen schwierig, sich manches vorzustellen!“

Der Besuch des neuen deutschen Soldatenfriedhofs in Sebezh war für die Fantasie eine anspruchsvolle Aufgabe, da nach der Umbettung bisher nur der vorgesehene Platz planiert wurde. Aber Blumen niederlegen kann man ja an vielen Stellen.

 

Für die Junge Initiative Pskow war dies das erste Treffen mit Jugendlichen aus Pskow. Obwohl es auf beiden Seiten anfangs ein paar Kommunikationsschwierigkeiten und Scheu gab, entwickelte sich schon sehr bald ein wahres Gruppengefühl, aus dem auch enge Freundschaften entstanden sind.

Nach diesem positiven Auftakt wird sicherlich auch das nächste geplante Projekt ein Erfolg: Im nächsten Sommer soll in Pskow eine deutsch-russische Jugendbegegnung mit Workcamp-Charakter stattfinden.

Jonas Wiedner