Herberge suchen

Eine wahre Geschichte, nicht nur für die Weihnachtszeit

 

In Russland werden die Schüler in acht Bildungsstufen eingeteilt. Stufe 1, das sind die Intelligenten. Sie können Abiturmachen  und studieren. In Stufe 8 sind die Menschen mit Lernbehinderung. Sie besuchen eine Sonderschule.Die meisten schwer mehrfach und geistig behinderten Jungen und Mädchen in unserer  Schule, dem HPZ, und in unseren Beschützenden Werkstätten kommen in der Skala von 1 – 8 gar nicht vor. Sie liegen noch darunter, nicht erfasst. Sie zählen auch nach dem neuen russischen Gesetz für geistig behinderte Menschen zu den „nicht lern- und förderungsfähigen“. Auch in der Arbeitsverwaltung sind sie nicht registriert. Für sie gibt es keine Schule und keine Werkstatt, in der sie lernen und arbeiten könnten. Sie sind ausgestoßen aus der Gesellschaft der „Normalen“.

 

Sergej Nikolajew ist einer von ihnen. 1986 wurde er geboren mit einer schweren Zerebralparese, einer Lähmung, die vom Gehirn ausgeht und fast seinen ganzen Körper erfasst hat. „Ich oder das Kind“, hatte der Vater kategorisch zwei Tage nach der Geburt erklärt. „Das Kind“, sagte die Mutter. Der Vater verschwand auf Nimmerwiedersehen.

Sergej zog mit der Mutter und der damals schon achtzigjährigen Großmutter in eine Ein- Zimmer-Wohnung. Die Babuschka kümmerte sich liebevoll um den damals fast bewegungslosen Jungen. So konnte die Mutter als Verkäuferin arbeiten. Das geringe Gehalt reichte kaum zum Überleben.

Doch sie hatten Glück. Genau in dem Jahr, in dem Sergej sechs Jahre alt wurde, öffnete das HPZ seine Pforten. Keine andere Schule hätte ihn genommen. Aber hier findet er Aufnahme, eine Herberge. Er lernt lesen und mit einem Finger auf dem Computer schreiben. Er ist glücklich. Die Mutter wird Verkäuferin im Secondhand-Geschäft der Schule. Für das Leben von allen dreien ist gesorgt.

Als Sergej 18 Jahre alt wird, übernehmen ihn die Beschützenden Werkstätten. Mit dem werkstatteigenen Bus wird er täglich im Rollstuhl geholt und nachmittags nach Hause gebracht. Im Förderbereich sitzt er am Computer und schreibt mit Feuereifer Texte für die hauseigene Zeitung. Heute ist Sergej 21 Jahre alt, die Großmutter 100 Jahre. Die Mutter sorgt liebevoll für beide. 

Was wäre aus Sergej geworden, hätten die rheinischen Christen nicht Schule und Werkstätten gebaut? Er hätte nichts gelernt, wäre auch geistig völlig zurückgeblieben und vegetierte wahrscheinlich in einem der schrecklichen Internate, wenn er überhaupt noch lebte.

 Damit wir die Schule unterhalten und die Werkstätten fertig bauen können, bitten wir auch in diesem Jahr um Ihre Hilfe. Ohne Ihre Unterstützung gäbe es die Herberge nicht. Wir danken Ihnen dafür und wünschen Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit.

 Ihre

Klaus Eberl und Dieter Bach

 

Bankverbindung:
Bank für Kirche und Diakonie
BLZ 350 601 90
Konto 101 341 5010