“ER
HAT UNS EIN STÜCK HIMMEL AUF DIE ERDE GEBRACHT”
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Er,
das ist der Kirchenchor der Hl. Nikolaij-Kirche
in der nordrussischen Stadt Pskow-Ljubjatowo, der im Mai 2005 auf einer
Konzerttournee Deutschland und Frankreich bereist hat. Der Ausspruch fiel beim
ersten Konzert in Duisburg; so treffend, dass ich ihn in den folgenden Konzerten
verwendet habe. Wir haben jetzt 60 Jahre Frieden in Deutschland. Aus Gegnern
sind Partner, manchmal sogar Freunde geworden. Die Initiative Pskow (IP), ein
Verein der Rheinischen Landeskirche, hat deshalb eine Wanderausstellung mit
einem Kulturprogramm geschaffen, zu dem auch die Tournee des Ljubjatow-Chores
gehörte. Elf Konzerte in Deutschland, sechs in Frankreich und zwei
Festgottesdienste sind bewältigt worden |
An
zwei Orten sind die Konzerte aufgezeichnet worden, woraus jetzt eine neue CD mit
geistlichen und weltlichen Liedern aus Ost und West angefertigt wird, von der
Renaissance bis zu den Beatels. Der hinterlassene künstlerische Eindruck ist
nur schwer beschreibbar; schade, daß die Werbung das Gebotene nicht ausreichend
ankündigt, denn jeder leere Platz ist eine vertane Chance. “Wenn ich geahnt hätte,
was hier geboten wird, dann hätte ich noch viele Freunde überredet
mitzukommen”, wie oft habe ich das gehört.
Bei
ehrenamtlicher Planung, sowie Unterbringung der Künstler in Familien versuche
ich die Kosten zu senken, um einen Überschuss für die humanitären Arbeiten
der IP zu erwirtschaften. Leider haben stark gestiegene Buskosten (trotz Nutzung
eines pskower Minibusses), verbunden mit einen generell niedrigerem
Kollektenaufkommen, die “Gewinnschwelle” gerade erreichen lassen. Dies
bereitet mir für die Zukunft schon einige Sorgen.
Es
war die neunte Tournee durch Westeuropa, zum ersten mal in Frankreich auf
Einladung der Pskower Partnerstadt Arles in der Provence. Dort und in Nimes
wurde gesungen und uns gab man Gelegenheit
diesen herrlichen Teil des Landes mit seinen römischen Kulturzeugnissen
zu besichtigen, Stätten wie die Festung Tarascon und das mittelalterliche
Aigues-Mortes zu besuchen, sowie die Natur der Camargue mit Bad im Mittelmeer zu
genießen. Ganz toll und unvergesslich! Unsere Dolmetscherin Galina kam aus der
Normandie; sie hat vier Konzerte für diesen Chor im Raum Rouen- Evreux
organisiert mit Unterbringung in einem Russisch-Orthodoxen Nonnenkloster. Auf
der Fahrt musste Paris besucht werden mit kurzen Aufendhalten am Place de la
Concorde und dem Eifelturm. Für einige Fotos hat es gereicht. Spät abends
kamen wir im Kloster an.
“Diesen
Gesang möchten wir bald wiedererleben, möglichst schon im nächsten Jahr”,
rief man uns nach, aber das schaffe ich wohl nicht; 2007 ist auch ein Jahr.
Leider muß ich auch von einem Schockerlebnis berichten. Ein Konzertbesucher in
Evreux hat sich in die Sakristei geschlichen und aus den Geldbörsen der Sängerinnen
790 € entwendet. Trotz Phantombildzeichnung und Polizeivernehmung bis lange
nach Mitternacht, sagte man uns, wir haben fast keine Chance den Dieb zu fassen.
Galina und ich haben in unsere Reserven gegriffen, damit die Sängerinnen keinen
Nachteil haben, aber das Geld fehlt letztlich im humanitären Überschuss der
Tournee.
Auf
der Rückfahrt wurde in meinem Haus in Aachen für zwei Stunden Pause gemacht,
und es gab ein Wiedersehen mit Freunden, so, wie das an vielen Konzertorten auch
war. “ Wie dieser Chor Kunst überbringt und Begegnungen schafft, so soll es
sein, ein guter Weg zu Versöhnung und Freundschaft”. Mich hat dieser Satz vom
Russischen Generalkonsul in Marseille tief bewegt, und ähnlich haben sich
mehrere Konzertbesucher auch geäußert, 60 Jahre nach dem 8. Mai 1945.
Georg Linke, Aachen