Ein „nachhaliger Nerver“ feierte 75. Geburtstag  

Da der Protestantismus keine Heiligen kennt, sollte der Weltfriedenstag am 1. September im Vordergrund stehen. Dennoch rückte genauso unvermeidlich wie berechtigt der zweite Anlass für den Empfang der IP in der Trinitatis-Kirche in Duisburg-Wedau in den Vordergrund: der 75. Geburtstag Dieter Bachs, ihres Mitbegründer und bis heute tatkräftigen Motors.

Der rheinische Präses Nikolaus Schneider war gekommen und dankte Dieter Bach für sein langjähriges nachhaltiges Engagement in der Versöhnungsarbeit, von den Anfängen Mitte der 80er-Jahre („Versöhnung mit den Völkern der Sowjetunion“), über die Akademiearbeit in Mülheim bis zur Initiative Pskow: „Dein Weg ging immer nach Osten – der weitaus schwierigere Weg“, erinnerte Schneider an die Notwendigkeit, sich mit der schmerzhaften deutschen Geschichte auseinanderzusetzen statt sie zu verdrängen. Dieter Bach habe wesentlich dazu beigetragen und „alle möglichen Freunde genervt“, dass sich heute die rheinische Kirche als ganze dem Thema verpflichtet wisse.

 

Klaus Eberl, Vorsitzender der IP, bemühte das Bild der Matroschka, um die verschiedenen Gesichter Dieter Bachs zu vergegenwärtigen: das des Geschäftsführers, des Theologen, des Familienvaters. Das „Wunder von Pskow“ (Rheinische Post) sei eng mit seiner Person verknüpft. Das bestätigten einmal mehr die russischen Stimmen unter den Gästen wie Larissa Fedotowa, Direktorin der Werkstatt: Die Werkstätten seien Vorbild für ganz Russland und stünden als für die Integration behinderter Menschen in die russische Gesellschaft.

Mülheims Oberbürgermeistrein Dagmar Mühlenfeld, neues Ehrenmitglied der Initiative, und Superintendent Helmut Hitzblech signalisierten, dass die Osteuropaarbeit weiterhin einen Kristallisationspunkt in der Bürger- und Christengemeinde der Ruhrstadt hat, die zuletzt mit ihrer Solidaritätsaktion tatkräftig mitgeholfen hatte.  

Zuvor hatte über 150 Menschen unter dem Titel „Pskow als Zeichen der Versöhnung unter den Völkern“ einen Gottesdienst zum Weltfriedenstag und anlässlich des Geburtstags Dieter Bachs gefeiert. In ihrer gemeinsamen Predigt legten die Pfarrerinnen Gabriele Bach und Ute Sawatski das Gleichnis vom Verlorenen Sohn als Zeichen für Gottes Versöhnungsgeschehen aus. Gottes ausgestreckte Hand ermögliche erst alle menschlichen Bemühungen um Versöhnung.

Menschliche Bemühungen sind in Pskow seit vielen Jahren eng mit dem Namen Dieter Bachs – und den Namen derer, die er mit auf den Weg genommen hat – verbunden. Auch wenn’s keine (besonderen) evangelischen Heilige gibt.  

 

 

 

(Dietmar Kehlbreier)