Stadtpräsident Iwan Tsetserskij besucht Deutschland
Im
November 2009 besuchte der neue Stadtpräsident von Pskow, Iwan Tsetserskij, die Initiative Pskow in Deutschland. Es war
nicht ganz leicht, ihn termingemäß nach Nordrhein-Westfalen zu holen. Und fast
hätte es gar nicht geklappt.
Vereinbart
war ein Besuch der Mitgliederversammlung im November zum zehnjährigen Bestehen
der Initiative Pskow. Da kam eine Woche vorher die Meldung: Herr Tsetserskij muss am 20. November nach St. Petersburg, um
eine Belobigung aus den Händen von Staatspräsident Dmitrij Medwedew entgegen zu
nehmen. Das übrige Besuchsprogramm aber konnte erfolgreich auf den neuen Termin
eingestellt werden.
Vier Schwerpunkte
1.
Kennen lernen des Vorstand der Initiative. An jedem Abend waren Iwan Tsetserskij und Alexandra Pyshowa
bei einem anderen Vorstandsmitglied zu Gast. In einer Atmosphäre des Vertrauens
konnten intensive Gespräche geführt werden.
2.
Verschuldete Städte in Deutschland und Russland. Der Stadtpräsident war zu Gast
bei den Stadtverwaltungen von Duisburg und Neuss. Sehr offen schilderten die
Vertreter der Städte ihre Situation und betonten, dass sie immer stärker auf
das Miteinander von öffentlicher Verantwortung und freier Bürgerinitiativen
setzen. Diese Informationen waren darum besonders wichtig, weil sich so die
starren Fronten zwischen Staat und Nichtregierungsorganisationen auch in
Russland auflösen könnten im Interesse eines hilfreichen Miteinanders, ohne das
es nicht mehr geht. Bei einer Fahrt durch das Ruhrgebiet konnte dem Pskower Stadtpräsidenten gezeigt werden, wie sich eine alte
Industrieregion über mehrere Jahrzehnte zu einem modernen Energie- und
Dienstleistungszentrum mit hohem Freizeitwert entwickelt hat.
3.
Besichtigung deutscher Beschützender Werkstätten. Der Schwerpunkt lag auf
Arbeitsplätzen mit industrieller Fertigung im Metallbereich (Halbautomaten,
CNC). Aber auch die professionelle Dienstleistung im Lettershop
(Verschicken von Postwurfsendungen und Katalogen für die Industrie) fand großes
Interesse. Ein zweiter Besuchstag war den Rhein Mosel Werkstätten vorbehalten.
Dabei ging es hauptsächlich um Parallelen zu Pskow und um Möglichkeiten der
Entwicklung in Russland. So galt hier das Hauptinteresse der Kartonage-Abteilung
(Herstellung von Verpackungen für Schränke bis hin zu Einzelpralinen des
Konditormeisters). Auch die Produktionsküche, aus der nicht nur die Werkstätten
versorgt werden, sondern auch „Essen auf Rädern“ angeboten wird, fand große
Beachtung.
4.
Unterredung im russischen Generalkonsulat in Bonn.
In
einem sehr intensiven und langen Gespräch mit Generalkonsul Fedor W. Chorochordin brachte Iwan Tsetserskij
sein Erstaunen und seine Bewunderung über das, was er in den deutschen
Beschützenden Werkstätten an Arbeit gesehen hatte, zum Ausdruck. Ihm sei
deutlich geworden, dass behinderte Menschen sehr wohl produktive Arbeit
verrichten und dabei Leistung erbringen können. Der Generalkonsul nahm diesen
„Ball“ auf, und es entwickelten sich in dem anschließenden Gespräch
Überlegungen, die Werkstatt in Pskow deutlicher in den Blick von Moskau zu
heben als ein besonders geeignetes Projekt für die gesamte Russische
Föderation.
Fazit
Ein
Besuch im Kölner Dom und auf dem dortigen Weihnachtsmarkt sowie ein längeres
Verweilen am Rhein haben den Besuch in Deutschland umrahmt. Als Resümee nach
seiner Reise stellte Iwan Tsetserskij in einem Brief
fest:
„Diese
neuen Erfahrungen helfen mir, auf ganz anderer Basis für unsere
deutsch-russischen Projekte mit der Initiative Pskow zu arbeiten. (…) Die
Freunde von der Initiative Pskow … waren so hilfsbereit und geduldig, dass ich
mich in Deutschland sehr wohl gefühlt habe, unter richtigen Freunden. (…) Ich
hoffe sehr auf unsere weitere gute Zusammenarbeit und bin überzeugt, dass wir
die gestellten Ziele erreichen werden.“
Dieter Bach, Hans Paskert, Ulrich Hack